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Digitale Selbstdiagnosen – Psychische Gesundheit als Social-Media-Trend
In der Gesellschaft hat sich neben der realen Lebenswelt längst eine parallele der Sozialen Medien entwickelt. Beide beeinflussen sich in vielerlei Hinsicht positiv. Problematisch wird es, wenn digitale Räume die analoge Wirklichkeit ersetzen. Besonders bei Überforderung im Alltag ist der Rückzug in die Social-Media-Welt verlockend. Er ermöglicht, einer Gesellschaft auszuweichen, die als intolerant gegenüber Unzulänglichkeiten abseits des selbstoptimierten Glücklichseins wahrgenommen wird. Ein Spannungsfeld zwischen Faszination und Realitätsverlust.
Welche Auswirkungen dies im gesundheitlichen Bereich haben kann und wie vor allem junge Menschen in der Pubertät und Adoleszenz davon betroffen sind, thematisierte am 10. Juni 2026 die Reihe Via medici unter dem Titel „Digitale Selbstdiagnosen – Psychische Gesundheit als Social-Media-Trend“. Zu Beginn führte Frau Dr. rer. soz. Franziska Hochwald anhand ihrer umfangreichen journalistischen Recherchen in die häufige Ausgangslage ein: Betroffene oder (selbsternannte) Experten stellen Krankheitsbilder wie Depression, Magersucht oder ADHS als Posts in den Soziale Medien dar – ein Phänomen, das während der Corona-Pandemie einen sprunghaften Anstieg verzeichnete. In diesen Krankheitsvideos werden Pathologien in social-media-konformer Ästhetisierung dargestellt, bei der ein Schwerpunkt auf der Schönheit der Darstellenden liegt, was die mit den Krankheitsbildern einhergehenden Beschwerden und Leiden verzerrt. Hinzu kommt ein hoher Prozentsatz an Fehlinformationen durch die scheinbaren Experten, der sich auf ca. 56 % beläuft. Die negativen Auswirkungen für die jugendlichen Konsumenten sind Selbstdiagnosen, die nicht ärztlich abgesichert sind und Pseudo-Symptome zeigen, die der Krankheit nicht entsprechen. Die Darstellerinnen und Darsteller der Videos avancieren gleichzeitig zu Vorbildern, die negative Gefühle idealisieren und pathologisieren, auch wenn diese normale Begleiterscheinungen der Pubertät und damit nicht krankhaft sind. Neben der Sogwirkung, die diese Posts durch emotionale Beeinflussung empfänglicher Konsumenten ausüben, setzen sie in Behandlung befindliche Patienten/innen unter Druck, denn: Die Sozialen Medien suggerieren, dass beispielsweise auch eine Depression ästhetisch gelebt werden soll. Orientieren sich Betroffene an diesem Bild und genügen ihm nicht, weil ihre Kraft nicht ausreicht, verstärkt sich die vorhandene Negativspirale. Darüber hinaus kann der Trend Cyberchondrie hervorrufen. Vulnerable Gruppen finden in den Videos ihre scheinbar selbst diagnostizierten Symptome bestätigt, was die vorhandenen Ängste steigert.
Dennoch sind trotz dieser eindeutig negativen Implikationen auch positive Effekte der Entwicklung nicht von der Hand zu weisen. So profitieren laut Franziska Hochwald Autisten von den Sozialen Medien, da sie in ihnen nicht den direkten Kontakt zur Außenwelt aufnehmen müssen, sich aber dennoch wahrgenommen fühlen. Darüber hinaus kann Social-Media vermeintliche Schwächen positiv besetzen und eine gewisse psychische Nähe suggerieren, die in der Realität u. U. fehlt. Auch bieten sie die Chance, das Tabu zu brechen, nicht über psychische Erkrankungen zu sprechen, insbesondere in Bezug auf die Arbeitswelt.
Überraschenderweise sind Selbstdiagnosen und die damit verbundene Hypochondrie – heute Cyberchondrie – keine Erscheinungen der Social-Media-Ära – neu ist tatsächlich nur das digitale Medium. Dies erläuterte Frau Prof. Dr. phil. Karin Nolte von der Medizinischen Fakultät in Heidelberg und ordnete damit die Thematik in den historischen Kontext ein. Tatsächlich war die Zeit um 1900 in der damaligen Gesellschaft bereits als das „Nervöse Zeitalter“ bekannt, in dem sich scheinbare Krankheitsbilder wie Neurasthenie oder Hysterie häuften und allgemein übernervöse Empfindungen beklagt wurden. Analog zu heute bildeten auch zu dieser Zeit die verfügbaren Medien in Form von Presseartikeln, Fachbüchern, Gesundheitsratgebern oder Massenliteratur den zentralen Bezugspunkt für die selbstgestellten Diagnosen. Diese galten entsprechend des herrschenden Rollen- und Geschlechtsbildes primär als weibliches Phänomen, obwohl Ausprägungen der „Lexikon-Hypochondrie“ und des „Querulantenwahnsinns“ durchaus auch männlich assoziiert gewesen sein dürften. Verbindend zur aktuellen Entwicklung bleibt die Orientierung an Medien, die Suche nach Vorbildern, der Wunsch nach Wahrnehmung der eigenen Person durch Andere und die Mahnung der Ärzteschaft, Diagnosen ausschließlich mit medizinisch-fachlicher Expertise stellen zu lassen.
Eine Mahnung, die nach wie vor nicht im ersten und auch nicht unbedingt im zweiten Schritt beachtet wird, wie Frau Dagmar Preiß aus ihrer langjährigen schulischen Beratungspraxis bei Gesundheitsladen e.V. zu berichten wusste. Gerade im Bereich der mentalen, psychischen Gesundheit haben die digitalen Plattformen den ärztlichen Rat als erste Anlaufstelle schon längst ersetzt. In der per se krisenbehafteten Zeit des Heranwachsens wird der psychischen Gesundheit heute eine immens hohe Aufmerksamkeit zuteil. Die Kernfrage, ob man „normal“ ist, wird durch das Netz oder dort recherchierende Freunde/innen bereits beantwortet, bevor persönliche Beratungsangebote aufgrund der entstandenen Verunsicherung genutzt werden. Zudem wirkt die digitale Parallelwelt direkt in Klassenverbände hinein, die sich gleichsam eine „Diagnose-Blase“ schaffen und den Effekt so dynamisieren. Um diese Spiralen zu durchbrechen, ist laut Dagmar Preiß vor allem eines unbedingt notwendig: Die Eltern als Partner und als adäquates Gegenüber für ihre Kinder. Auch wenn die Problematik eine gesamtgesellschaftliche ist, können im Grunde nur die Eltern Zuversicht vermitteln und den Heranwachsenden Selbstwirksamkeitserfahrungen als Regulativ zu bestehenden Verunsicherungen anbieten. Denn eines bietet das Internet nicht: Reale soziale Beziehungen zwischen Menschen.
Diese sind auch für Herrn Prof. Dr. med. Oliver Fricke, den Ärztlichen Direktor Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie des Klinikums Stuttgart essenziell bei der Behandlung psychischer Krankheitsbilder. Die Auswirkungen der Sozialen Medien nimmt er ebenfalls seit der Corona-Zeit als sprunghaften Anstieg wahr, der jedoch häufig bedingt, dass im Umkehrschluss Kinder und Jugendliche zu spät ärztliche Hilfe suchen, die sie deutlich früher benötigt hätten. Dieser Umstand wird durch weitere Faktoren wie soziale Ungleichheit, Engpässe in der Versorgung und die destabilisierten Familienverhältnisse verschärft – ein Konglomerat aus Ursachen, das vermeintliche Beziehungen und Identitätsfindungsprozesse in Chatgruppen verlagert, anstatt wie früher beispielsweise in Vereine, Freundeskreise oder eben die Familie. Tatsache bleibt allerdings, dass Konflikte und Kompromisse nur in realen Beziehungen abgearbeitet und gefunden werden können. Prof. Oliver Fricke betonte in seinem Schlusswort das Anrecht aller Kinder und Jugendlichen auf Spiegelung und die damit verbundene notwendige Reibung an Erwachsenen, die ihnen Sicherheit vermitteln und Perspektiven geben.
Gemeinsam mit Ihren Kooperationspartnern widmete sich die Bezirksärztekammer Nordwürttemberg der Erinnerung an ein von Ausgrenzung und Unrecht geprägtes Kapitel der deutschen Medizingeschichte. Mit der Ausstellung „Fegt alle hinweg … - Zum Approbationsentzug jüdischer Ärztinnen und Ärzte 1938“ wird das Schicksal jüdischer Kolleginnen und Kollegen ins Zentrum gestellt, denen im Deutschen Reich im Jahr 1938 die Approbation entzogen wurde.
Die Ausstellung beginnt mit einem allgemeinen historischen Abschnitt zum Approbationsentzug jüdischer Ärztinnen und Ärzte als Teil der nationalsozialistischen Verdrängungs-, Ausgrenzungs- und Vernichtungspolitik gegenüber den Juden. Es folgen Einzelporträts, die vor allem durch persönliche Zeugnisse in Form von Fotos, Erinnerungen und Briefen an Bedeutung gewinnen.
Besonders die Erweiterung der Ausstellung um Schicksale aus der Region Stuttgart und Umgebung lag unserem Menschrechts- und Antidiskriminierungsbeauftragten - Dr. Robin T. Maitra - sehr am Herzen. Somit wurden die Schicksale von Dr. Alice Naegle-Nördlinger, Dr. Ruth Selke-Eissler, Dr. Martin Sondheimer und Dr. Walter Pintus der Ausstellung beigefügt.
Die Ausstellung war im Rahmen der jährlichen medizin Fachmesse (30.01.2026-01.02.2026) in Stuttgart gezeigt und somit vorwiegend den Ärztinnen und Ärzten sowie dem medizinischen Personal präsentiert worden. Die Eröffnungsveranstaltung fand am Freitag, den 30.01.2026 um 15:30 Uhr im Pressezentrum der Messe statt. Geleitet vom Präsidenten der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg Dr. Jürgen de Laporte, konnte der vollbesetzte Saal eine Einführung von Prof. Dr. Mag. theol. Sabine Schleiermacher zum Thema „Ärztinnen und Ärzte im Nationalsozialismus“ hören und anschließend vom Kuratoren Ehepaar Frau Ursula Ebell und Dr. Hansjörg Ebell die Ausstellung besser verstehen und kennenlernen.
Im Anschluss ist die Ausstellung in das Evangelische Bildungszentrum Hospitalhof (02.02.2026-13.02.2026) in Stuttgart gewandert. Hier war eine kostenlose Besichtigung für die Öffentlichkeit und somit ein breites Publikum möglich. Bei der dortigen Podiumsdiskussion mit Frau Dr. Susanne Rueß, Herr Prof. Dr. Dr. h. c. Robert Jütte und Herr Dr. Robin T. Maitra wurde ebenfalls ein geschichtlicher Einblick gegeben und zudem einzelne Schicksale von jüdischen Ärztinnen und Ärzte herausgegriffen und thematisiert.
Bei beiden Ausstellungsorten war das Interesse an der Ausstellung beachtlich und die Besucherzahlen entsprechend groß.
© Bezirksärztekammer Nordwürttembergund viele weitere Formate präsentieren die Gesundheitsrealität von morgen
Innovation, Digitalisierung und Begegnung mit echtem Erfahrungsaustausch: Mit Neugier auf einer multiprofessionellen Plattform den eigenen Horizont erweitern. Seriöse zukunftsweisende Impulse entdecken, das bringt Bausteine für mein Netzwerk der kommenden Jahre, das schafft unbestreitbaren Mehrwert!
All dies boten die Landesmesse Stuttgart und die Bezirksärztekammer Nordwürttemberg vom 30.01. – 01.02.2026 in verschiedenen Veranstaltungs-, Programm- und Messevarianten. Dabei bewährte sich das seit über 10 Jahren etablierte Messeduo medizin und therapro erneut hervorragend, während der 11. Landeskongress Gesundheit Baden-Württemberg eine resiliente Gesundheitsversorgung politisch zum Diskurs stellte.
Der unabhängige 60. Ärztekongress wiederum beleuchtete in seinem Jubiläumsjahr zahlreiche fachlich-medizinische Themen detailliert und in Ihrer Tiefe. Diese Vielfalt der Referierenden und Themen wird er auch 2027 wieder direkt im Programm präsentieren und einen schnellen Überblick ermöglichen.
Hinzu kamen in der Messehalle selbst interprofessionelle Podiumsdiskussionen, Workshops und Vorträge in den Messe-Cubes sowie als spezielle Formate das „Kammergeflüster“ für neue Kammermitglieder und das Speeddating „Junior meets Senior“, das jüngere Ärzte/innen mit erfahrenen Kollegen/innen zum gemeinsamen Austausch einlud. Ebenso aktiv präsentierten sich der wachsende Gesundheitskompetenzcampus, die Newcomer- und Mitmach-Areas und 2026 erstmalig die FitLife Stage mit vielfältigen digital-innovativen Ausblicken.
Entsprechend zeigt die abschließende Bilanz eindeutig, dass das hohe Engagement aller Beteiligten sich gelohnt hat, denn das Konzept war sehr erfolgreich. Die Besucherzahlen der Fachmessen erfuhren eine Steigerung von 10% auf 15.500, was einerseits ein eindrucksvolles Resümee für 2026 darstellt und andererseits eine positive Weiterentwicklung 2027 erwarten lässt, auf die man zu Recht gespannt sein darf.
Die Kammersprechstunde ist ein virtueller Austausch zu unterschiedlichen Themen in den Bereichen: MFA, Fortbildung, Weiterbildung, Recht und Finanzen.
Rückblicke:
- Gut ausbilden - Rechte, Pflichten und was sonst noch wichtig ist
- Weiterbildung - Prüfungsanmeldung (Kurzzusammenfassung)
- Weiterbildung - Prüfungsanmeldung
- Weiterbildung - Befugniserteilung
- Weiterbildung - Anerkennungsverfahren ausländische Weiterbildung
Die anstehenden kostenlosen Sprechstunden-Termine werden jeweils auf dieser Seite veröffentlicht.
– das Pilotprojekt der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg hatte dies als Ziel.
Am Mittwoch, den 21. Mai 2025, fand zum ersten Mal die Veranstaltung Speed-Dating Niederlassung – die Chemie muss stimmen! in der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg statt. Ein Pilotprojekt, um neue Wege gegen den Ärztemangel auszuprobieren. Im 5- Minuten-Takt rotierten Interessenten an unterschiedliche Stehtische und tauschten sich mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten aus, die Nachfolger oder weitere Angestellte suchen. Ein schnelles und unkompliziertes Gespräch auf Augenhöhe, um zu testen, ob die „Chemie“ stimmt und eine Zusammenarbeit infrage kommt.
Der Fokus am 21. Mai lag bei den Hausarztpraxen und auf den möglichen Karrierewegen speziell in die Niederlassung. Mit 24 abzugebenden Praxen und insgesamt 38 anwesenden Personen war die Seite der Aussteller sehr gut vertreten. Hier war bereits die Auslastung des Raumes erreicht, weshalb eine Warteliste begonnen wurde.
Auf die Stehtische vor Ort verteilten sich 23 Interessenten, die gerne eine Praxis übernehmen oder miteinsteigen wollen. Die Abgebenden könnten sich und die Besonderheiten ihrer Praxis in lockerer Atmosphäre präsentieren. Zudem konnten direkt verschiedene Möglichkeiten des Einstiegs in die Praxis diskutiert werden und direkte Kontaktdaten ausgetauscht werden.
Zusätzlich gab es vor Ort Beratungstische der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg zu den Themen: Betriebswirtschaftlichen Praxisberatung (Service und Beratung) und Niederlassungs- und Kooperationsberatung. Zudem standen die Kolleginnen aus dem Fachbereich Recht der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg für Fragen zur Verfügung.
Die durchweg positive Rückmeldung der Teilnehmenden vor Ort auf die Frage: „Können Sie die Veranstaltung Speed-Dating Niederlassung. Die Chemie muss stimmen! weiterempfehlen?“ Lautete zu 100 %: Ja, trifft vollständig zu. Neben dem Lob der freundlichen und kompetenten Durchführung der Veranstaltung ist besonders hervorzuheben, dass alle Anwesenden dankbar waren, mit dieser Veranstaltung eine Plattform zum Herstellen von direkten Kontakten erhalten zu haben. Mit der ersten Rückmeldung: „Ich werde bei zwei sehr interessanten Angeboten hospitieren gehen“ – ist das Ziel der Veranstaltung erreicht.
Unserem Ziel die Neugier auf bisher ungeahnte Optionen des eigenen Karriereweges zu fördern, sind wir damit ein Stück nähergekommen: Das Pilotprojekt soll weiterentwickelt werden.
Zum Thema „Choosing wisely – Ist Weisheit erlernbar?“ trafen sich am 19.03.2025 im Diakonie-Klinikum Stuttgart Interessierte aus Niederlassung und Klinik auf Einladung der AG Medizin und Ethik zum 30. Degerlocher Ethikgespräch. Als Referent führte Herr Prof. David Klemperer, zzt. noch in Berlin in einer Notfallpraxis tätig, in das Thema „Überversorgung“ mit unnötigen oder sogar schädlichen medizinischen Leistungen ein, das seit über 15 Jahren international verfolgt wird. In Deutschland startet die AWMF diesbezüglich unter dem Leitsatz „Gemeinsam Klug Entscheiden“ eine Qualitätsoffensive.
„Ärzte sollen Gewohntes hinterfragen, das vielleicht nicht immer das Beste für den jeweiligen Patienten ist“, empfiehlt Prof. Klemperer.
Mögliche Ursachen für Überdiagnostik oder Übertherapie seien in Deutschland die Sorge vor juristischen Konsequenzen, die Anspruchshaltung mancher Patienten, aber auch das deutsche Anreizsystem, das zu einer stärkeren Belohnung des Handelns im Vergleich zum Unterlassen führe. Wir sollten aber nicht allein identifizieren, welche medizinischen Leistungen kritischer zu hinterfragen sind, sondern im Rahmen von ‚Gemeinsam Klug Entscheiden‘ auch, welche zu selten in Anspruch genommen und stärker unterstützt werden sollten. Die Auswahl der anzusprechenden Gesundheitsfragen und die Entwicklung der Empfehlungen obliege jedoch den einzelnen Fachgesellschaften. Am Ende sollen klug ausgewählte Empfehlungen als Wissensgrundlage für wissenschaftlich und ethisch begründete Entscheidungen stehen. Diese gilt es, in verständlicher Form in eine öffentliche Diskussion und schließlich auf den Schreibtisch des Arztes und der Ärztin zu bringen. Wir müssen sowohl bei Ärzten/innen als auch bei Patienten/innen ein Bewusstsein schaffen, dass es ein Zuviel an Diagnostik und Therapie geben kann. Der bewusste Verzicht auf Maßnahmen kann manchmal die beste Entscheidung sein, erfordert aber ein hohes Maß an ärztlicher Erfahrung und klinischem Wissen. Das muss in der Weiterbildung gezielt vermittelt werden, um Klarheit bezüglich therapeutischer und diagnostischer Entscheidungen zu schaffen. Noch eine Erwartung von Prof. Klemperer: Es sollten keine falschen ökonomischen Anreize gesetzt werden, die vor allem die Durchführung diagnostischer oder therapeutischer Maßnahmen vergüten. Stattdessen muss die ärztliche Beratung adäquat vergütet werden.
Haben wir Ihr Interesse an medizinethischen Fragestellungen geweckt? Wir freuen uns, wenn wir Sie beim 31. Degerlocher Ethikgespräch am 15.10.2025 zum Thema „Fragen, Grenzen und Entscheidungen zu Beginn des Lebens“ bei uns begrüßen dürfen.
Gabriele du Bois
Mitglied der AG Medizin & Ethik
FÄ für Humangenetik, genetische Beratung, Stuttgart
© BÄK NWErstmals bei der medizin Fachmesse konnten junge Ärztinnen und Ärzte auf erfahrene Kolleginnen und Kollegen aus Klinik, Praxis und dem öffentlichen Gesundheitswesen treffen, um im „Speed Dating“-Format in einen kurzen persönlichen Austausch zu treten. So konnten innerhalb kürzester Zeit brennende Fragen zur Weiterbildung, zur Niederlassung oder zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf von verschiedenen Gesprächspartnern kompetent und lebensnah beantwortet werden. Das besondere Dialogformat bot die Bezirksärztekammer Nordwürttemberg erstmals ihren Mitgliedern auf der medizin 2025 in der Kongresslounge an. Fazit der Teilnehmenden: Sehr hilfreich und informativ!
Und es geht gleich in die nächste Runde: Speed-Dating Niederlassung - Die Chemie muss stimmen! am 21. Mai 2025 um 17.00 Uhr in der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg: Niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, die in den nächsten 2-5 Jahren Unterstützung suchen, werden interessierten Kolleginnen und Kollegen im 10-Minuten-Takt zur Verfügung stehen. Die Anmeldung wird über die Kammer ab Mitte März freigeschaltet.
