Wichtige Erkenntnisse bei gemeinsamer Fortbildung von Human- und Zahnmedizinern

Frauen mit Kinderwunsch sollten unbedingt Zahngesundheit überprüfen lassen

Erstmalig online veranstalteten die Bezirksärztekammer Nordbaden und die Bezirkszahnärztekammer Karlsruhe im Januar 2022 ihr traditionelles gemeinsames Symposium. Allerhand „Wissenswertes über Mundgesundheit für Ärzte und Zahnärzte“ wurde da erörtert, und zwar in einem Rundumschlag „Von der Wiege bis zur Bahre“ - so der Titel des Web-Seminars. Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Christof Hofele, Präsident der Bezirksärztekammer Nordbaden, wie auch Dr. med. dent. Robert Heiden, Vorsitzender der Bezirkszahnärztekammer, hoben in ihrem Grußwort die hervorragende Zusammenarbeit beider Kammern hervor.

Einen Überblick über die 5. Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS), die einzige bundesweit repräsentative Studie zur Mundgesundheit, gab eingangs Frau PD Dr. med. dent. Yvonne Wagner, die Direktorin des Zahnmedizinischen Fortbildungszentrums Stuttgart. „An jedem Zahn hängt ein ganzer Mensch“, so betonte sie und verwies damit auf die Bedeutung des beiderseitigen Verständnisses. International befinde sich Deutschland in einer Spitzenposition, was die Mundgesundheit anbelangt - in allen Altersgruppen verringern sich demnach der Karies und die Parodontalerkrankungen sowie Zahnverluste, Munderkrankungen verschieben sich ins höhere Lebensalter. Handlungsbedarf bestehe aber weiterhin, auch die Eigenverantwortung bzgl. der Mundhygiene habe weiter hohen Stellenwert.

Den Beginn des Lebens behandelte anschließend Prof. Dr. med. Werner Mendling vom Deutschen Zentrum für Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe in seinem Vortrag zu „Mundgesundheit und Schwangerschaft“ und wies hierbei u. a. auf deren Bedeutung für die Prävention von Frühgeburten.

Die Frühgeburt stellt eines der großen ungelösten Probleme der Geburtshilfe dar. Sie kann mit multiplen Langzeitfolgen für die betroffenen Kinder einhergehen und löst damit unter Umständen sehr hohen Behandlungs- und ggf. lebenslange Folgekosten aus. Es gibt weder zuverlässige prädiktive Untersuchungsmethoden, um diese vorhersagen zu können, noch suffiziente Therapieoptionen, um sie verhindern zu können. Professor Mendling zeigte als Risikofaktoren für Frühgeburtlichkeit orale Florastörungen bei Parodontitis, sexuell übertragbare Infektionen sowie vaginale Florastörungen auf. Die Behandlung von vaginaler Dysbiose bei Diagnosestellung und Therapie vor Beginn oder im 1. Drittel der Schwangerschaft könne die Frühgeburtenquote um 40% und die der Spätaborte um 80% verringern. In einer weiteren Studie konnte gezeigt werden, dass Frauen mit Parodontitis ein signifikant erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt haben und dass dadurch das Risiko für Infektionen in der Schwangerschaft, Frühgeburtlichkeit, niedriges Geburtsgewicht sowie Präeklampsien erhöht werden; weitere Studien stehen noch aus. Eine Zahnsanierung oder Parodontitistherapie in der Schwangerschaft verhindere jedoch keine Frühgeburt.

Folglich sei, so Mendlings Fazit, als Primärprävention von Frühgeburten aus infektiologischer Sicht eine Zahnsanierung (Karies, Parodontitis) sowie die Sanierung der Scheidenflora vor Beginn einer Schwangerschaft erforderlich.
Weiter ging es mit dem frühen Kindesalter. Frau PD Dr. Wagner unterstrich von zahnärztlicher Seite, wie wichtig die frühzeitige Abgewöhnung ungünstiger Habits sei – darunter zählt Daumenlutschen genauso wie der regelmäßige Genuss säure- und zuckerhaltiger Getränke, womöglich noch aus (Nuckel-)Flaschen. Und sie forderte zur interdisziplinären Zusammenarbeit bei der zahnärztlichen Vorsorge auf.

Diesen Faden griff Dr. med. Burkhard Lawrenz auf, niedergelassener Kinderarzt und Sprecher im Ausschuss Prävention des BKJV. Ein Problem sei die richtige Dosis bei der Fluoridierungsprophylaxe. Frühere pädiatrische und zahnärztliche Empfehlungen dazu stimmten nicht überein, eine für alle Beteiligten unbefriedigende Situation. Dem wurde 2021 endlich Abhilfe geschaffen mit einer gemeinsamen Empfehlung bzgl. der Kariesprävention im frühen Säuglings- und Kindesalter. Vom BZfE sind Karten für die verschiedenen Lebensalter zu den jeweiligen Früherkennungsuntersuchungen erhältlich.

Den Bogen zum Lebensende zog Dr. med. dent. Elmar Ludwig, Vorsitzender des AK Alterszahnheilkunde und Inklusive Zahnmedizin der LZK BW. Er informierte ausführlich über die positive Entwicklung der von der Zahnärztekammer geförderten Alterszahnheilkunde. Bei dem Versuch, das immer mehr noch vorhandene eigene Zahnmaterial der alternden Bevölkerung gut in Schuss zu halten, bedürfe es geeigneter Schulungen gerade auch des Pflegepersonals, da Pflegebedürftige der Mundhygiene oft nicht mehr in ausreichendem Maße selbst nachkommen können. Er wies außerdem darauf hin, dass es auf Kreisebene jeweils eine/n zahnärztliche/n Senioren- und Behindertenbeauftragten gebe, an die oder den man sich wende könne – zu finden über www.lzk-bw.de.

Abschließend zeigten sich Professor Hofele wie Dr. Heiden zuversichtlich, dass mit diesem Symposium, das im Übrigen bereits zum 5. Mal als gemeinsame Veranstaltung ausgerichtet wurde und damit einen wesentlichen Impuls zur „sektorenübergreifenden Versorgung“ im nordbadischen Bereich darstellt, ein weiterer Schritt zur effektiven Zusammenarbeit bzgl. Mundgesundheit und Prävention zwischen Human- und Zahnmedizin gelungen sei.  

Seien Sie gespannt, das nächste Symposium kommt bestimmt!

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V.l.n.r.: Dr. med. dent. Heiden, Dr. med. dent. Ludwig und PD. Dr. med. dent. Wagner und Prof. Hofele

letzte Änderung am 02.02.2019

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