Ökonomisierung im Fokus des Gesundheitsforums Südwürttemberg

Ökonomische Faktoren beeinflussen zunehmend das Gesundheitssystem. Der Markt weitet sich mit eigenen Regeln und Prioritäten zunehmend auf die Medizin aus, macht Patienten zu Kunden und Ärztinnen und Ärzte zu Dienstleistern. Wie stellen diese Entwicklungen das Selbstbild des Arztberufs infrage? Wo genau geschieht Ökonomisierung in den verschiedenen Bereichen und wie lässt sich effektiv gegensteuern?

Das renommierte Gesundheitsforum Südwürttemberg, organisiert und ausgerichtet von der Bezirksärztekammer Südwürttemberg, beschäftigte sich in diesem Jahr unter dem Motto „Medizin zwischen Ökonomie und Profiorientierung“ ausführlich mit diesem wichtigen Thema, das nicht nur für die Ärzteschaft, sondern vor allem auch für Patientinnen und Patienten und damit für die breite Öffentlichkeit von höchster Relevanz ist.

Die Veranstaltung wurde im Hybridformat angeboten mit der Möglichkeit zur Online- sowie zur Präsenzteilnahme im Ärztehaus Reutlingen. Die Positionen der Referentinnen und Referenten waren auch dieses Mal hochkarätig besetzt, unter anderem äußerte sich der baden-württembergische Gesundheitsminister Manne Lucha und skizzierte politische Rahmenbedingungen und Maßnahmen der Landesregierung.

„Mit dem Gesundheitsforum bieten wir die Möglichkeit, eine Standortbestimmung vorzunehmen, Zusammenhänge zu erkennen und die Gegebenheiten ärztlicher Arbeit kritisch zu hinterfragen“, hatte Prof. Dr. Marko Wilke, Präsident der Bezirksärztekammer Südwürttemberg, im Vorfeld der Veranstaltung gesagt. Genau diese Standortbestimmung wurde dann anhand konkreter Beispiele gegeben: So beleuchtete das Forum beispielsweise im stationären Bereich das DRG-Entlohnungssystem in Krankenhäusern, das immer wieder gleichermaßen zur Über-, Unter-und Fehlversorgung führt, sowie die nach wie vor fehlenden Investitionen seitens der Bundesländer. Im ambulanten Bereich ging es unter anderem um die Übernahme von Kassensitzen durch Medizinische Versorgungsgesellschaften, was internationalen Kapitalgesellschaften die Tür zum deutschen „Gesundheitsmarkt“ öffnet.

Das Forum thematisierte auch explizit die Folgen, die derartige Entwicklungen auf das ärztliche Selbstverständnis im Allgemeinen und auf das von jungen Ärztinnen und Ärzten im Besonderen haben. Denn inwieweit lassen sich bestehende Strukturen hinterfragen, kritisieren und verbessern, wenn man bereits im bestehenden System sozialisiert und ausgebildet wurde? Hierfür wurde auf entsprechende Befragungen verwiesen, die sich mit den Erfahrungen von Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung beschäftigten und zu dem Ergebnis kamen, dass die Maxime „Gewinnmaximierung vor Weiterbildung“ im Berufsalltag leider bereits häufig anzutreffen ist.  

Zusammenfassend schaffte es das Gesundheitsforum Südwürttemberg auch dieses Mal wieder (und nun bereits in seiner 25. Auflage), ein hochrelevantes Problemfeld einer breiten Öffentlichkeit näherzubringen und hierbei stets mit der nötigen Sachlichkeit und Differenziertheit vorzugehen.

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letzte Änderung am 13.05.2022