Landeskongress Gesundheit beschäftigt sich mit hochaktuellem und brisantem Thema

Die dramatischen Folgen des Klimawandels

Der Klimawandel: Nichts Abstraktes in ferner Zukunft, sondern schon jetzt real und mit dramatischen Auswirkungen auf Umwelt und Mensch. Der diesjährige Landeskongress Gesundheit Baden-Württemberg – das zentrale gesundheitspolitische Austauschforum – nahm diesen Problemkomplex unter die Lupe. Hochkarätige Referentinnen und Referenten - darunter der prominente Arzt und Wissenschaftsjournalist Dr. Eckart von Hirschhausen - sprachen über Auswirkungen des Klimawandels und diskutierten Wege, wie sich Ärztinnen und Ärzte an Lösungen beteiligen können.

Zur Debatte standen die Fragen, welchen Anteil das Gesundheitssystem an der Klimakrise hat, wie es nachhaltiger ausgerichtet werden kann und welche Rolle der Mensch bei der Umweltveränderung spielt. Der Kongress fand coronabedingt wieder digital mit live zugeschalteten Referentinnen und Referenten statt. Über 250 angemeldete Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten das Geschehen per Livestream verfolgen und Fragen einschicken.

Eröffnet wurde der Kongress von Landrat Heiner Scheffold, Vorstandsvorsitzender der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft, und vom baden-württembergischen Sozialminister Manne Lucha. Der Minister ging auf die Notwendigkeiten ein, den Klimawandel in politische Entscheidungen mit aller Dringlichkeit zu berücksichtigen, und bezeichnete den Landeskongress als wichtigen Beitrag, um in puncto Klimaschutz voranzukommen.

Hauptreferent Dr. Eckart von Hirschhausen bezeichnete die Klimakrise als „größte Bedrohung des 21. Jahrhunderts“. Das Problem sei, dass für viele der Klimawandel ein rein abstraktes Problem darstelle; es fehle die Anschaulichkeit. „Wir brauchen Case Studies, die konkret aufzeigen, wo der Klimawandel die Gesundheit der Leute beeinträchtigt.“, so Dr. von Hirschhausen. Jede Ärztin und jeder Arzt würde mit den Auswirkungen des Klimawandels im Berufsalltag in Berührung kommen – so beispielsweise bei der Diagnose der von Zecken übertragenden Infektionskrankheit FSME, die sich klimatisch bedingt weiter ausbreitet. Auch könne die Ärzteschaft im Alltag wichtige Patientenaufklärung in puncto gesunde Ernährung (weniger Fleisch) und Mobilität (Laufen und Fahrrad- statt Autofahren) leisten, was für den Gesundheits-, Umwelt- und Klimaschutz sehr förderlich sei.

Der zweite Hauptreferent Prof. Dr. Ingo Bode, Experte für Sozial- und Gesundheitspolitik von der Universität Kassel, nahm den „Blick des Forschers von oben“ ein und referierte zur institutionellen Organisation des Gesundheitswesens in Zeiten des Klimawandels. Seine Beobachtung: Die Organisation sei teils recht fragmentiert und chaotisch. Zudem arbeite das Gesundheitspersonal vielerorts am Limit. Zur Bewältigung der Klimaproblematik brauche es eindeutige Federführung, klare Prozesse und territorial abgestufte Koordination aus einer Hand.

Zusammen mit der Ärztin und Wissenschaftlerin Dr. Alina Herrmann aus Heidelberg und mit dem Finanz- und Ökonomieexperten Prof. Dr. Jan-Marc Hodek (Ravensburg-Weingarten) debattierten die beiden Hauptreferenten über weitere Aspekte: Ressourcen-Management bei der Medikamentenproduktion, lokale Anreize für Einrichtungen zum Klimaschutz, bessere Patientenaufklärung über Therapieoptionen, Klimabeauftrage in Krankenhäusern installieren und für gute Rahmenbedingungen sorgen – dies alles gehörte dazu. Bei den Teilnehmern stieß die lebhafte Diskussion auf große Resonanz.

Im Fokus des zweiten Veranstaltungsblocks stand der Mensch und wie er Gesundheitsprobleme befeuert. Die Gesundheits- und Umweltexpertin Prof. Dr. Simone Sommer aus Ulm sprach über die Entstehung von Zoonosen, zu denen es beispielsweise durch Wildtierhandel, industrielle Massentierhaltung und Bevölkerungswachstum kommt, und ihre immer zügigere Ausbreitung. Auch der Wissenschaftler Dr. Robert Beyer aus Potsdam referierte über die Rolle des Klimawandels bei der Begünstigung von Infektionsausbreitung – konkret am Beispiel der Coronapandemie. Deutlich wurde: Menschliche Eingriffe in natürliche Systeme und Kreisläufe ziehen Konsequenzen nach sich, die Wahrscheinlichkeit weiterer Pandemien steigt – mit dem Menschen als treibende Kraft dahinter.
 
Den Abschluss des Kongresses bildete die Vorstellung innovativer Versorgungsprojekte aus dem Südwesten. Darunter waren Projekte aus der Telemedizin, Projekte zur digitalen Patientensteuerung sowie Maßnahmen zur Optimierung der ärztlichen Ausbildung und der ärztlichen Versorgung.

Der Landeskongress Gesundheit schaffte es auch in diesem Jahr sehr erfolgreich, den praxisnahen Austausch zu einem hochaktuellen Thema zu ermöglichen und Ideengeber zu sein.

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letzte Änderung am 31.01.2022