Symposium widmete sich der Versorgung Geflüchteter

Die Landesärztekammer Baden-Württemberg hat gemeinsam mit dem Verein IPPNW (Internationale Ärztinnen und Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges – Ärztinnen und Ärzte in sozialer Verantwortung) und dem Stuttgarter Psychosozialen Zentrum refugio eine Fortbildungs- und Informationsveranstaltung zur Versorgung Geflüchteter in der hausärztlichen und psychotherapeutischen Praxis veranstaltet.

Ausgehend vom 3. Versorgungsbericht zur Lage traumatisierter Geflüchteter, den die Landesärztekammer und die Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg Ende 2020 herausgegeben hatten, wurde die aktuelle Situation geflüchteter Menschen in Baden-Württemberg dargestellt.

Wie Dr. Robin Maitra, Hausarzt und Menschenrechtsbeauftragter der Landesärztekammer Baden-Württemberg ausführte, zeigten die Analysen der Behandlungsdaten im Versorgungsbericht weiterhin erhebliche strukturelle Defizite. "Neben einem eingeschränkten Zugang Geflüchteter zu nahezu allen Bereichen der medizinischen Versorgung", so Dr. Maitra, "ist insbesondere die Finanzierung von Dolmetscherleistungen ein weiterhin ungelöstes Problem."

Der Rosenheimer Kinderarzt Dr. Thomas Nowottny wies in einem Online-Vortrag darauf hin, dass eine fortlaufende Traumatisierung von bis zu 80% der Geflüchteten zu erheblichen gesundheitlichen und schweren psychischen Erkrankungen führe, die in den Fällen von Abschiebungen zusätzliche schwere Schäden zur Folge haben könne.

Die Diplom-Psychologin Ulrike Schneck stellte als fachliche Leiterin von refugio stuttgart e.V. die vielschichtige Arbeit des psychosozialen Zentrums dar. Trotz einer überwiegend auf Spenden angewiesenen oftmals schwierigen Finanzierungslage sei refugio ein wichtiger Bestandteil der Versorgung traumatisierter Geflüchteter in der Region. Neben der traumaspezifischen Behandlung Geflüchteter wird mit der Beratung zu Fragen des Asyl- und Ausländerrechts und sozialer Arbeit ein komplexes Leistungsangebot bereit gehalten. Im vergangenen Jahr konnten dennoch über 250 Geflüchtete behandelt und beraten werden.

Der Stuttgarter Psychiater Dr. Jörg Schmid, neben seiner psychotherapeutischen Praxis selbst auch als Arzt bei refugio tätig, erläuterte dem anwesenden Fachpublikum das Krankheitsbild der Posttraumatischen Belastungsstörung, das häufig bei Geflüchteten anzutreffen sei. "Hier ist nicht nur die Behandlung schwierig und oft nur in kleinen Schritten erfolgreich", so Schmid, "wichtig ist auch die Erkennung und Diagnose selbst." Gerade dies sei aber oft schwierig, da für Betroffene oftmals körperliche Beschwerden im Vordergrund stünden und die Sprachbarriere die Verständigung erschwere.

Die Diskussion der Beiträge unter den anwesenden Ärztinnen und Ärzten sowie Psychotherapeuten zeigte, dass auch in der Region die Versorgung Geflüchteter an vielen Stellen verbessert werden könnte. So ist die medizinische Versorgung in Bezug auf körperliche Erkrankungen meistens verfügbar, die Behandlung insbesondere psychische Probleme stellen aber weiterhin eine Herausforderung dar. "Bis zur Umsetzung des für Alle geltenden Menschenrechtes auf Gesundheit", führte Dr. Maitra zum Schluss der Veranstaltung aus, "ist es auch bei uns noch ein weiter Weg, in dem alle Beteiligten in Politik, Kommunen und Gesundheitswesen zu gemeinsamen Anstrengungen gefordert sind."

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letzte Änderung am 22.10.2021