Ärzteschaft trauert um langjährigen Präsidenten Prof. Dr. Franz-Josef Große-Ruyken

Prof. Dr. Franz-Josef Große-Ruyken aus Freiburg, langjähriger Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg, ist tot. Der Träger zahlreicher Auszeichnungen – darunter das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse – wurde 92 Jahre alt. „Die Ärzteschaft nimmt mit großer Trauer Abschied von einer geradlinigen und vielfältig engagierten Persönlichkeit“, sagt Dr. Wolfgang Miller, Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg. „Wir werden uns dankbar an unseren Präsidenten erinnern, insbesondere sein Einsatz für die gesundheitliche Prävention bleibt unvergessen. Professor Große-Ruyken führte die Ärzteschaft in einer bewegten Zeit und wirkte auch über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus. Seinen Angehörigen sprechen wir unser aufrichtiges Beileid aus.“

Prof. Dr. Franz-Josef Große-Ruyken wurde 1929 in Duisburg-Hamborn geboren. Er begann ein Theologiestudium in Köln und wechselte nach Freiburg, um Psychologie und Medizin zu studieren. Die Promotion erfolgte im Jahr 1957, die Approbation als Arzt im Jahr 1959. Es folgten Weiterbildungsjahre in Neurologie, Psychiatrie und schließlich Augenheilkunde. Anfang 1964 ließ er sich als Augenarzt mit eigener Praxis in Freiburg nieder. 1992 erfolgte die Ernennung zum Honorarprofessor bei der Universität Ulm. 1999 ging Prof. Große-Ruyken offiziell in den Ruhestand.

Das berufspolitische Engagement von Prof. Große-Ruyken erstreckte sich über Jahrzehnte: 1966 trat er in den Hartmannbund ein und war von 1977 bis 1985 stellvertretender Landesvorsitzender des baden-württembergischen Landesverbands. Von 1975 bis 1983 war er Vorsitzender des ärztlichen Kreisvereins Freiburg sowie Vorstandsmitglied der Bezirksärztekammer Südbaden. 1978 wurde er in den Vorstand der Landesärztekammer gewählt, von 1983 bis 1990 war er schließlich Präsident der Landesärztekammer sowie in dieser Zeit auch Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer.

Prof. Große-Ruyken brachte seine fachliche Expertise in zahlreiche Expertengremien ein. So hatte er unter anderem auf Ebene der Bundesärztekammer den Vorsitz des für Fragen der medizinischen Ethik bedeutsamen Ausschusses für medizinisch-juristische Grundsatzfragen. Darüber hinaus war er Mitglied des Ausschusses „Berufsordnung“ sowie stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses und der Ständigen Konferenz „Gesundheitsberatung und -vorsorge“.

Prof. Große-Ruyken war es stets ein großes Anliegen, den Gedanken der Prävention breit gesellschaftlich zu verankern. 1986 rief er als Kammerpräsident die Ärzteschaft dazu auf, sich intensiv und auf allen Ebenen für Prävention einzusetzen. Mit ihrer Hilfe sollte die Bevölkerung unter anderem für die Themen Sucht, Missbrauch von Genussgiften und Drogengefährdung sensibilisiert werden. Wichtig war dem damaligen Präsidenten, die Bevölkerung so früh wie möglich aufzuklären – am besten bereits im Kindesalter. „Krankheiten verhüten, bevor sie entstehen, und die Öffentlichkeit breit mit einbeziehen. Dieser schlüssige Gedanke stand hinter dem Engagement von Professor Große-Ruyken“, betont Dr. Miller.

Der Kammerpräsident erinnert außerdem daran, dass Prof. Große-Ruyken die Führung der Ärzteschaft in einer ereignisreichen Phase der Veränderungen anvertraut war. „Gerade in dieser Zeit galt es, Präsenz zu zeigen, Position zu beziehen und mitzugestalten. Dies ist der Ärzteschaft unter Professor Große-Ruykens Präsidentschaft gelungen“, bilanziert Dr. Miller. 1986 verunsicherte beispielsweise die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl die Welt. Vor diesem Hintergrund forderte die Vertreterversammlung der Landesärztekammer Baden-Württemberg Politik und Wirtschaft auf, alternative Technologien zur Kernenergie zu prüfen. Auch die Themen Krebs und HIV wurden in den 80er-Jahren breit debattiert: So wies die baden-württembergische Ärzteschaft auf die Wichtigkeit von Früherkennungs-Untersuchungen und die konsequente Infektionsprävention hin und machte sich für einen landesweit einheitlichen Krebsnachsorgepass stark. Anfang 1990 begrüßte Prof. Große-Ruyken als Kammerpräsident in Stuttgart eine ärztliche Delegation aus Sachsen: Es galt, in freundschaftlicher Partnerschaft im wiedervereinigten Deutschland beim Aufbau einer sächsischen Landesärztekammer zu helfen.

Jahrelang war Prof. Große-Ruyken Vorsitzender des Ärztlichen Kreisvereins Freiburg-Stadt; später leitete er hier den „Kulturverein Freiburger Ärzte“, der für Kolleginnen und Kollegen im Ruhestand vielfältige Angebote wie Vorträge und Reisen organisierte. Neben seinem Einsatz für die Ärzteschaft war Prof. Große-Ruyken noch anderweitig politisch engagiert: So betätigte er sich unter anderem im Freiburger Stadtparlament und im städtischen Seniorenrat, dessen Vorsitz er innehatte. Darüber hinaus war er Vorsitzender und später Ehrenvorsitzender der Bürgerschaftsstiftung Soziales Freiburg.

Prof. Große-Ruyken wurde für sein Wirken vielfach ausgezeichnet. Unter anderem erhielt er 1982 das Bundesverdienstkreuz am Bande und im Dezember 1986 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. 1989 wurde ihm die Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg verliehen. Der Hartmannbund ehrte ihn 1990 mit der Friedrich-Schiller-Medaille, 2013 erhielt er die Albert-Fraenkel-Plakette der Bezirksärztekammer Südbaden. Im Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem wurde er für seinen Einsatz für notleidende Menschen im Nahen Osten zum Komtur mit Stern ernannt.

„Professor Große-Ruyken wirkte stets zum Wohle der Ärzteschaft und setzte sich auch darüber hinaus mit viel Leidenschat für andere Menschen ein – dies verdient großen Respekt, Anerkennung und Dankbarkeit“, so Kammerpräsident Dr. Miller.

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letzte Änderung am 29.10.2021