Communiqué zu Pandemien

Anfang Juli kamen die deutschsprachigen Ärzteorganisationen mit Vertretern aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Südtirol und Luxemburg zu einer Konsultativtagung in Wien zusammen. Für die Landesärztekammer Baden-Württemberg nahm Kammerpräsident Dr. Wolfgang Miller an dem Treffen teil und brachte so die Expertise der Ärzteschaft im Südwesten Deutschlands ein.

Gemeinsam verabschiedeten die Repräsentationen der mehr als 500.000 Ärztinnen und Ärzte ein Communiqué, in dem sie davor warnen, dass Pandemien in kürzeren Abständen auftreten und sich in einer globalisierten Welt schneller denn je ausbreiten werden. Die Politik wurde deshalb aufgefordert, aus der Corona-Pandemie die Lehre zu ziehen, umfängliche Pandemiepläne zu entwickeln und auch regelmäßig zu testen. Grundlage sollte eine sachliche Fehleranalyse in allen Ländern sein.

Politisches Handeln in der Pandemie brauche anders als bisher eine breite, gesicherte wissenschaftliche Basis. Die Zusammenarbeit zwischen Vertretern der Ärzteschaft und politischen Entscheidungsträgern sei dabei zentral, denn nur so könne wissenschaftliche Expertise in den gesellschaftspolitischen Diskurs eingebracht werden.

Es sei zudem essenziell, über Studien aufzuzeigen, welche Langzeitfolgen und Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung aufgetreten seien – auf physischer ebenso wie auf psychischer und sozialer Ebene. Die Ärzteorganisationen warnten vor langfristigen, gravierenden Kollateraleffekten infolge sozialer Isolation; diese Folgen gelte es, insbesondere für Kinder wie für ältere Menschen genauestens zu analysieren.

Darüber hinaus müsse es Ziel sein, dass Europa künftig im Bereich wichtiger Medizinprodukte und Arzneimittel sowie in der medizinischen Forschung und Entwicklung möglichst unabhängig agiert. Dann erst könne Europa zügig auf Gesundheitskrisen reagieren und eine hohe Qualität in der Versorgung auch in Pandemiezeiten sicherstellen.

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letzte Änderung am 03.07.2021