Die "Zukunft der Ärzteschaft" als roter Faden

Vertreterversammlung der Landesärztekammer

Junge Menschen schon im Studium an die Arbeit und Aufgaben der ärztlichen Selbstverwaltung heranführen und damit perspektivisch auch ihr aktives Engagement in der Ärztekammer fördern: Für dieses ambitionierte Projekt hat die Vertreterversammlung der Landesärztekammer Baden-Württemberg nun den Weg frei gemacht. Die Delegierten stimmten Ende Juli mit großer Mehrheit für das entsprechende Regelwerk, das Medizinstudierenden im Praktischen Jahr (sogenannte PJler) fortan erlaubt, freiwillige Kammermitglieder zu werden. Nach formaler Bekanntmachung der entsprechenden Satzungsänderungen im Ärzteblatt Baden-Württemberg wird die Neuregelung in Kürze in Kraft treten.

Leidenschaftliche Debatten

Die Delegierten tagten auf dem Gelände des Stuttgarter Flughafens unter strengen Hygieneauflagen; erstmals seit Beginn der Pandemie war es der baden-württembergischen Ärzteschaft wieder möglich, sich für den besonderen Anlass in Präsenz zu treffen und essenzielle ärztliche und gesamtgesellschaftliche Zukunftsthemen in direktem Austausch anzupacken. Die Delegierten debattierten unter der Leitung von Kammerpräsident Dr. Wolfgang Miller und der Vizepräsidentin Agnes Trasselli leidenschaftlich, dabei aber stets offen und ausgewogen. Allen Delegierten war anzumerken, welch zentralen Stellenwert für sie die ärztliche Nachwuchsgewinnung und das Erfordernis, junge Menschen für die ärztliche Selbstverwaltung zu interessieren, einnahm. Dies sei der richtige Weg, um die jungen Leute für Berufsleben und Berufspolitik zu motivieren, war sich die Mehrheit der Delegierten in der Versammlung einig. Angehende Ärztinnen und Ärzte erhalten demnach den Zugang zur Kammerwelt so niedrigschwellig wie möglich und beitragsfrei.

Der langjährige Wunsch der Vertreterversammlung, PJ-Studierenden die Kammermitgliedschaft anzubieten, war erst im Frühjahr durch eine Novelle des Heilberufe-Kammergesetzes realisierbar geworden. Die nun auf den Weg gebrachte Regelung ermöglicht es PJlern unter anderem, Fortbildungsveranstaltungen der Kreisärzteschaften wahrzunehmen, berufspolitische Erfahrungen zu sammeln, Kontakte zu knüpfen und sich zu vernetzen - eine wichtige Voraussetzung dafür, dass der Einstieg in das Berufsleben gelingt und die Bedeutung einer starken ärztlichen Selbstverwaltung vor Augen geführt wird. Darüber hinaus können die PJler als Kammermitglieder das Ärzteblatt Baden-Württemberg sowie das Deutsche Ärzteblatt beziehen und sich somit über alle relevanten Entwicklungen auf dem Laufenden halten.

Qualität der Weiterbildung

Neben der perspektivischen Gewinnung junger Menschen für die Kammer ging es in der Vertreterversammlung auch um diejenigen, die bereits Ärztinnen und Ärzte sind, aber noch eher am Anfang ihres beruflichen Weges stehen: Auf Grundlage der neuen, im vergangenen Jahr in Kraft getretenen Weiterbildungsordnung machte sich das höchste Gremium der ärztlichen Selbstverwaltung darüber Gedanken, wie die Weiterbildung nicht nur aktiv gelebt, sondern auch stets verbessert und hinsichtlich ihrer Qualität gesichert werden kann. Einführung von Erstbefugten-Seminaren, Befristung von Weiterbildungs-Befugnissen, Begehungen von Weiterbildungsstätten: Die Bandbreite der diskutierten Vorschläge war groß, die begleitende Diskussion entsprechend tiefgehend. Alle Delegierten waren sich bewusst, dass Weiterbildung als Kernthema ärztlicher Selbstverwaltung entsprechende Qualitätssicherung benötigt. Nach konzentriertem Austausch aller Argumente entschied die Versammlung, den Kammervorstand zunächst mit der Ausarbeitung eines ausgewogenen Konzeptes zu beauftragen, um dann auf dieser Grundlage Beschlüsse zu fassen.

Zukunft der Ärzteschaft

Die "Zukunft der Ärzteschaft" zog sich als roter Faden auch durch die anderen Tagesordnungspunkte der Vertreterversammlung. So beleuchtete Kammerpräsident Dr. Miller in seinem Bericht zur Lage unter anderem das Thema "Klimawandel und Gesundheit" und betonte die Selbstverpflichtung des Kammervorstands, bei allen Investitionen oder operativen Entscheidungen die Folgen für das Klima mit zu berücksichtigen.

Hinsichtlich der Digitalisierung sei die Kammer auf einem sehr guten Weg: „Leistungsfähige Bürokommunikation, digitale Dokumentenarchive, interaktive Anwendungen für unsere Mitglieder - viel davon ist in der Kammer in Arbeit oder bereits umgesetzt“, sagte Dr. Miller. Kammerportal, Webanwendungen und E-Logbuch seien nur einige Beispiele dafür, dass der digitale Ausbau vorangehe. Weiteres werde nach und nach folgen - Dr. Miller hob in diesem Zusammenhang hervor, dass die Vertretersammlung mit ihren Entscheidungen der vergangenen Jahre den Grundstein für sämtliche Entwicklungen gelegt hatte.
Prozessgestaltung im wertschätzenden Miteinander war ein weiterer Punkt, den der Kammerpräsident in seinem Vortrag ansprach: Denn auch in der Kammer selbst seien nach den Worten des Präsidenten alle Weichen für effektive Zukunftsplanung gestellt: "Die Bereiche Selbstverwaltung, Geschäftsstellen, Service und Dienstleistungen, Kommunikation und Finanzieren sind definiert, jeder Bereich entwickelt sich weiter." - Beleg für diese Aussage war unter anderem ein aktueller Finanzbericht von Vorstandsmitglied und Rechnungsführer Dr. Norbert Fischer, der den Delegierten vor Augen führte, dass die Corona-Pandemie zwar auch in der Ärztekammer zu unvorhersehbaren Ausgaben geführt hatte, die „Finanzampel“ jedoch aufgrund sofort eingeleiteter Maßnahmen auch weiterhin auf "grün" stehe.

Corona: Rückblick und Ausblick

Der Bewältigung der Corona-Pandemie widmeten Kammerpräsident Dr. Miller und Vizepräsidentin Trasselli einen eigenen Themenblock. Unter dem Schlagwort "Ein Jahr mit Corona" fassten sie die die umfangreichen organisatorischen und inhaltlichen Kammeraktivitäten der vergangenen Zeit zur Virusbekämpfung kurz und prägnant zusammen. Mitorganisation der Impfkampagne, Personalvermittlung von Ärztinnen und Ärzten dahin, wo sie vor Ort mit ihrem Know-how gebraucht wurden und werden, Einrichtung von Stellenportalen, Aufklärung und Information der Öffentlichkeit, Koordination mit Partnern sowie die Vertretung der berufspolitischen Interessen: Dies und mehr brachte das Präsidium den Delegierten näher und stellte auf diese Weise heraus, wie vielfältig die Ärzteschaft und die ärztliche Selbstverwaltung in der Pandemiezeit gefordert waren - und welch‘ herausragenden Beitrag die Ärztinnen und Ärzte zur Bewältigung der Krise bereits geleistet haben. 

Auch die Delegierten teilten in der anschließenden Diskussion ihre Erfahrungen, benannten zutage getretene Schwachstellen der Pandemiebekämpfung und lenkten den Fokus auf noch offene Probleme. Debattiert wurde unter anderem über körperliche und psychische Pandemiefolgen für Kinder und Jugendliche, über den Impffortschritt, über eine notwendige Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, über Bürokratiehindernisse und über pandemiebedinge Folgeerkrankungen, mit denen zu rechnen sei. Zu einigen Aspekten fassten die Delegierten dezidierte Beschlüsse (siehe unten).

Deutlich wurde der Anspruch der Ärzteschaft formuliert, die Corona-Impfungen gesellschaftlich weiter voranzutreiben. Klar erkennbar war auch die Haltung, aus Gründen des Gesundheitsschutzes vollständig Geimpften mehr Freiheiten und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen als Ungeimpften. Die baden-württembergischen Ärztevertreter stellten sich damit mehrheitlich hinter entsprechende Überlegungen der Landesregierung.

Entschließungen

Die Vertreterversammlung fasste mehrere Entschließungen. Alle Beschlüsse sind in stark verkürzter Form und in Kürze auch im Volltext hier nachlesbar.

Pano1web

Zurück

letzte Änderung am 26.07.2021