Kammerpräsident Dr. Miller: jetzt impfen lassen - und verantwortlich handeln

Landesärztekammer rät zur frühzeitigen FSME-Zeckenschutzimpfung

Die Landesärztekammer Baden-Württemberg rät dazu, sich rechtzeitig gegen die durch Zecken übertragene Krankheit FSME impfen zu lassen. "Wer sich in der kalten Jahreszeit gegen FSME immunisieren lässt, sorgt dafür, dass die Impfung schon eine sehr gute Schutzwirkung für Frühling und Sommer aufbauen kann", sagt Dr. Wolfgang Miller, Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg. Die FSME-Impfung schütze effektiv vor schweren Krankheitsverläufen. Wer zügig aktiv werde, handle auch gerade in Corona-Zeiten verantwortungsvoll gegenüber sich selbst und anderen.

Bei FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) handelt es um eine virusbedingte Infektionskrankheit, die für eine Entzündung des Gehirns beziehungsweise der Hirnhäute sorgen kann. Überträger der Krankheit sind Zecken, die das Virus auf den Menschen übergehen lassen. Viele Erkrankungen verlaufen mild, allerdings ist das Risiko einer schweren Erkrankung immer gegeben. In der ersten Phase verspüren Betroffene häufig grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Abgeschlagenheit. Später kann eine Entzündung des Gehirns, der Hirnhäute oder des Rückenmarks folgen. Möglich sind auch Atemlähmungen, Lähmungen an Armen und Beinen sowie Schluck- und Sprachstörungen. Es besteht die Gefahr, dass Lähmungen als Folgeschäden dauerhaft bleiben. In wenigen Fällen kann FSME tödlich verlaufen.

Eine spezifische Therapie gegen FSME gibt es nicht, behandelt werden allein die Symptome. Der beste Schutz gegen die Krankheit besteht in einer Impfung. Für einen kompletten Impfschutz sind insgesamt drei Impfungen nötig - in der Regel im Abstand mehrerer Monate. Ein guter Schutz für die laufende Saison besteht normalerweise bereits nach zwei Impfungen, die dritte Impfung sorgt dann für länger anhaltende Schutzwirkung. Aufgefrischt werden sollte die Immunisierung nach ärztlicher Rücksprache alle drei bis fünf Jahre.

Die Landesärztekammer weist darauf hin, dass das Thema FSME in Baden-Württemberg Brisanz birgt. Denn generell weist das Robert Koch Institut (RKI) nahezu alle Gebiete in Baden-Württemberg als FSME-Risikogebiete aus - die Gefahr, hierzulande zu erkranken, ist also flächendeckend recht hoch. Darüber hinaus verzeichnete die hiesige FSME-Statistik für das Jahr 2020 insgesamt 351 Fälle – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr 2019 (damals wurden 172 Erkrankungen in Baden-Württemberg registriert). Als einer der Gründe für die hohen Fallzahlen gilt die Corona-Pandemie: Wald und Wiese waren und sind in Zeiten der Einschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus eine gute Möglichkeit, sich an der frischen Luft zu bewegen. Damit erhöhte sich aber das FSME-Ansteckungsrisiko. Dr. Miller betont: "Es ist also insbesondere in Baden-Württemberg vernünftig, sich jetzt schon Gedanken zu machen und mit der Hausärztin oder dem Hausarzt über die FSME-Impfung zu sprechen."

Ist die FSME-Impfung auch für Kinder verträglich und sinnvoll? Die Landesärztekammer rät Eltern dazu, unbedingt im Vorfeld mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt über eine mögliche Immunisierung zu sprechen. Denn einerseits spielen Kinder gern im Freien - und können daher auch besonders gefährdet sein. Die Impfung gegen FSME ist auch hier ein äußerst wirksamer Schutz. Andererseits treten Impfreaktionen wie Fieber gerade bei kleineren Kindern häufiger auf. Zudem verlaufen FSME-Erkrankungen bei Kindern oft milder als bei Erwachsenen; auch mit Folgeschäden haben sie in der Regel weniger zu kämpfen. "Die FSME-Impfentscheidung bei Kindern sollte stets individuell getroffen werden", verdeutlicht Kammerpräsident Dr. Miller. "Die Ärztinnen und Ärzte stehen Eltern als Partner und Ratgeber gern zur Verfügung."

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letzte Änderung am 16.02.2021