Erstmals Präsenztermine durch Livestreaming ersetzt

Informationsveranstaltungen der Bezirksärztekammern

Eigentlich treten im Herbst jedes Jahres die Vertreterversammlungen der vier Bezirksärztekammern Nordwürttemberg, Nordbaden, Südbaden und Südwürttemberg zum berufspolitischen Meinungsaustausch und zu Haushaltsberatungen zusammen. Die Corona-Pandemie hat allerdings die Situation grundlegend verändert: alle Präsenzveranstaltungen mussten in diesem Jahr abgesagt werden. Um den Austausch der Delegierten dennoch zu gewährleisten, boten die vier Bezirksärztekammern ihren Delegierten daher Informationsveranstaltungen im Livestream-Format. Die zugeschalteten Ärztinnen und Ärzte konnten das Geschehen online verfolgen und per Chatfunktion Fragen stellen sowie Diskussionen anregen. Die formale Beschlussfassung fand im Anschluss satzungsgemäß per Umlaufverfahren statt.

Nordwürttembergs Präsident Dr. Klaus Baier bezeichnete die Coronapandemie als „gewaltige Herausforderung“ und danke der Ärzteschaft im Land, dass sie „unter hoher körperlicher und psychischer Belastung“ bei der Pandemie-Bekämpfung aktiv war und ist. Explizit richtete er seinen Dank auch an die Ärzteschaften und deren Vorsitzende in den Kreisen, die auf das Infektionsgeschehen vor Ort schnell und angemessen reagierten. Bei der Kammer habe Corona die Digitalisierung weiter vorangetrieben – Dr. Baier nannte beispielhaft Gremiensitzungen als Videokonferenzen sowie die Neukonzeption von Ausbildungsformaten mit Online-Komponenten. Hinsichtlich geplanter Veranstaltungen informierte Dr. Baier darüber, dass der Ärztekongress und die MEDIZIN-Fachmesse für 2021 leider abgesagt werden mussten, dagegen wird der Landeskongress Gesundheit a, 15. Januar 2021 online stattfinden; er steht unter dem Motto „Stresstest für unser Gesundheitswesen – was lernen wir aus der Corona-Krise?“. Unabhängig von Corona arbeite man weiter hart daran, ärztlichen Nachwuchs für die Kammer-Mitarbeit zu begeistern.

Auch Südbadens Kammerpräsidentin Dr. Paula Hezler-Rusch dankte der Ärzteschaft für ihren Corona-Einsatz: „Sie sind zu einem hohen Prozentsatz selbst in die Maßnahmen involviert als Notfalldienstbeauftragte, als Pandemiebeauftragte, in Ihren Praxen oder in der Klinik, im Bereitschaftsdienst, als Freiwillige in den Abstrichzentren und bei den Fahrdiensten“, lobte Dr. Hezler-Rusch. Sie sprach im Corona-Zusammenhang auch über das geplante Kammer-Neubauprojekt. Räumliche Enge sei schon vor der Pandemie ein Problem gewesen – dies habe sich nun weiter zugespitzt. Im weiteren Verlauf thematisierte die Kammerpräsidentin unter anderem die Anstrengungen zur Förderung der Allgemeinmedizin und das im kommenden Jahr anstehende 75-jährige Jubiläum der Bezirksärztekammer. Position bezog sie auch zum Thema Corona-Verharmloser innerhalb der Ärzteschaft: „Sie werben nicht für das Ansehen der Ärzte in der Öffentlichkeit und auch nicht für eine um die Gesundheit der Bevölkerung besorgte Ärzteschaft.“

Südwürttembergs Präsident Prof. Dr. Marko Wilke hob ebenfalls die Leistungen der Kreisärzteschaften im Corona-Einsatz hervor. Viele Ärztinnen und Ärzte hätten bei der Pandemie-Bekämpfung „sehr oft sehr schnell sehr weitreichende Entscheidungen treffen müssen, und dafür haben wir uns wahrlich wacker geschlagen!“, resümierte Prof. Wilke. Er skizzierte auch die Aktivitäten der Kammer im Berichtsjahr und sprach unter anderem über die Entwicklung hin zu mehr Online-Formaten. Außerdem hob er einige Aspekte der berufspolitischen Arbeit hervor wie beispielsweise die Diskussion um den assistierten Suizid seit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Paragrafen 217. Prof. Wilke thematisierte zudem den Umgang der Ärztekammer mit Ärztinnen und Ärzten, die als Corona-Verharmloser öffentlich in Erscheinung treten und die Gefahren und Risiken der Pandemie herunterspielen.

Auch in der Bezirksärztekammer Nordbaden ging es um die Absagen von Präsenz-Veranstaltungen und um das coronabedingte Umschwenken ins Digitale: Nach den Worten von Bezirksärztekammer-Präsident Prof. Dr. Christof Hofele ließen sich im Jahresverlauf beispielsweise Ausschuss- und Arbeitskreissitzungen teils als Videokonferenzen, teils als Hybridveranstaltung mit Präsenz- und Onlineteilnahme realisieren. Darüber hinaus wurde über Entwicklungen in den Bereichen Fort- und Weiterbildung informiert. Von besonderer Bedeutung war der Beitrag von Vizepräsidentin Dr. Susanna Colopi Glage, die aus eigener Erfahrung über den Umgang mit der Corona-Pandemie in Hausarztpraxen sprach. So berichtete sie unter anderem von den anfänglichen Schwierigkeiten, Schutzausrüstung in angemessener Menge für den Praxisalltag zu beschaffen, von den vielen verunsicherten und tatsächlich an Corona erkrankten Patientinnen und Patienten, denen es zu helfen galt, und von den großen Anstrengungen, die medizinische Grundversorgung - allen Herausforderungen zum Trotz - aufrechtzuerhalten.

Die zahlreichen Rückmeldungen der Delegierten zu den Lageberichten, aber beispielsweise auch ihre Diskussionsbeiträge zu Haushaltsvoranschlägen und weiteren Themen bewiesen einmal mehr, dass die Mitglieder der Vertreterversammlungen ihr Ehrenamt gewissenhaft und sachverständig ausüben.

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letzte Änderung am 16.11.2020