Ärztekammer sieht am Internationalen Tag der Jugend Defizite bei der HPV-Impfquote / Auch Jugend-Vorsorgeuntersuchung J1 zu wenig bekannt

Krebserkrankungen vorbeugen: Zu wenige Jugendliche lassen sich impfen

Viel zu wenige Jugendliche in Baden-Württemberg lassen sich wirksam und rechtzeitig gegen Humane Papillomviren (HPV) impfen, die Krebs auslösen können. Darauf macht die Landesärztekammer Baden-Württemberg zum Internationalen Tag der Jugend am 12. August aufmerksam.

HPV zählen zu den häufigsten durch Intimkontakte übertragbaren Erregern. Bleibt eine HPV-Infektion bestehen, kann sich im Laufe der Zeit Krebs entwickeln. "Diese Krebserkrankungen sind schwerwiegend und beeinträchtigen nicht selten das ganze spätere Leben“, sagt Ärztekammerpräsident Dr. Wolfgang Miller. "Dabei wäre die Vorbeugung mit der Impfung so leicht."

Bekannt sind mehr als 200 Virustypen, von denen rund 40 die Geschlechtsorgane befallen. Einige Typen lassen beispielsweise Feigwarzen im Genitalbereich entstehen, andere sind bei Frauen maßgeblich beteiligt an der Bildung von Gebärmutterhalskrebs und weiteren Krebsarten von Vulva und Vagina sowie - bei Männern - am Penis. Aktuelle Studien stellen auch einen Zusammenhang zwischen HP-Viren und Prostatakrebs bei Männern her.

Eine effektive Möglichkeit für die Jugend, das Risiko von Krebs und seiner Vorstufen zu verringern, ist die HPV-Impfung - am besten noch vor dem ersten sexuellen Kontakt. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt die Impfung daher für Mädchen und Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren (sie ist aber auch danach noch möglich). Die Kosten der Impfung werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen.

Schon bei den 15-jährigen Mädchen lag die Impfquote für eine vollständige HPV-Impfserie (also mehrere Impfungen) laut einer aktuellen Untersuchung des RKI im Jahr 2018 in Baden-Württemberg bei 34,1 Prozent. Dies war bundesweit der niedrigste Wert. In Sachsen-Anhalt war die Quote mit 63,1 Prozent am höchsten, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (61,5 Prozent) und Thüringen (57,7 Prozent). Ebenfalls hintere Positionen belegten Bremen (34,6 Prozent) und Bayern (35,6 Prozent). Für die Regionen Hessen und Westfalen lagen keine Daten vor. Die deutschlandweite Gesamt-Impfquote für HPV betrug 43 Prozent. Die Impfquote war in der gleichen Studie bei der männlichen Zielgruppe noch wesentlich schlechter (hier wurden die 18-Jährigen erfasst).

"Wir möchten Jugendliche - Mädchen wie Jungen - und ihre Eltern nachdrücklich ermutigen, sich mit der HPV-Gefahr auseinanderzusetzen und eine Impfung in Betracht zu ziehen“, sagt Dr. Miller. Die Impfung sei gut verträglich und sicher. "Je mehr Erkrankungen wir dadurch verhindern können, desto besser ist es", so der Kammerpräsident. Allerdings ist auch nach der HPV-Impfung dennoch eine Infektion mit anderen HPV-Typen möglich. Deshalb sollten gerade auch geimpfte Frauen regelmäßig die Früherkennungsuntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs wahrnehmen.

Am Internationalen Tag der Jugend möchte die baden-württembergische Ärzteschaft auch darauf hinweisen, dass die Jugend-Vorsorgeuntersuchung J1 zu wenig bekannt ist. Die Untersuchung richtet sich an Jugendliche im Alter von zwölf bis 14 Jahren; Jugendliche können den Termin mit oder ohne elterliche Begleitung wahrnehmen. Im Rahmen der J1 sprechen die Ärztinnen und Ärzte mit ihren jungen Patientinnen und Patienten über allgemeine Gesundheitsthemen, überprüfen den Impfstatus und machen gegebenenfalls Entwicklungsstörungen oder Fehlhaltungen aufgrund von Wachstumsschüben aus. Untersucht werden unter anderem Körpergröße, Gewicht, verschiedene Organsysteme und der Stand der Pubertätsentwicklung. Die Themen Alkoholkonsum, Rauchen, Sexualität und Medienumgang können ebenfalls besprochen werden.
 
Bisher nahmen bundesweit nur rund 50 Prozent der Jugendlichen die J1 in Anspruch- im Gegensatz zu den U-Untersuchungen für Säuglinge und (Klein-)Kinder, die Teilnahmequoten im hohen 90-Prozentbereich verzeichneten. Speziell für Baden-Württemberg wurde im Jahr 2017 gar nur eine J1-Teilnahmequote von 43 Prozent festgestellt.

"Die J1 ist eine wichtige Untersuchung an der Schwelle zwischen Kind sein und erwachsen werden", verdeutlicht Dr. Miller. "Hier können Probleme geklärt und Weichen gestellt werden, bevor es im späteren Leben zu gesundheitlichen Nachteilen kommt." Jugendliche sollten das Angebot der J1 daher unbedingt in Anspruch nehmen, Eltern sollten unterstützend mit ihren Kindern über die Wichtigkeit von Vorsorgeuntersuchungen sprechen. Der Kammerpräsident unterstreicht: "Bei der J1 geht es nicht nur um eine Vorsorgeuntersuchung, sondern die Ärztinnen und Ärzte geben den Jugendlichen kompetente Antworten auf deren Fragen beispielsweise rund um die Pubertät und stehen auch als Vertrauenspersonen zur Verfügung."

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letzte Änderung am 11.08.2020