Kammerchef Dr. Miller lobt Krankenhausversorgung im Südwesten

Landesärztekammer lehnt "blutige Entlassungen" ab

Die Landesärztekammer Baden-Württemberg hat sich mit der kürzlich vorgelegten Studie „Neuordnung der Krankenhaus-Landschaft“ der Bertelsmann-Stiftung befasst, die zu dem Schluss kam „Eine bessere Versorgung ist nur mit halb so vielen Kliniken möglich“. Das sieht die Berufsvertretung der über 68.000 Ärztinnen und Ärzte im Südwesten anders.

Die mögliche geringere Zahl an Krankenhäusern wird in der Studie rechnerisch auch durch eine Reduktion der stationären Krankenhausfälle um fast 30 % erreicht (durch „Ausschöpfung des Ambulantisierungs-Potenzials“). Für den Präsidenten der Landesärztekammer Baden-Württemberg, Dr. Wolfgang Miller, ist klar: „Diese idealisierte Rechnung verkennt, dass dieser Prozess bereits seit Jahren läuft. Aufgrund der zunehmenden Zahl älterer, morbiderer und auch multimorbider Patientinnen und Patienten stoßen wir hier aber schon lange an juristische, medizinische und auch ethische Grenzen. - ‚Blutige Entlassungen‘ von vulnerablen Patienten aus rein ökonomischen Gesichtspunkten dürfen nach unserer Überzeugung weder angestrebt noch billigend in Kauf genommen werden!“

Mit Professor Dr. Marko Wilke, dem Vorsitzenden des Krankenhausausschusses der Landesärztekammer ist er sich einig: „Die Ärzteschaft im Südwesten will sich konstruktiv einbringen in die Diskussionen um eine wirtschaftliche medizinische Versorgung der Bevölkerung, sowohl im ambulanten als auch im stationären Sektor. Dabei ist uns das Streben nach hoher medizinischer Qualität in unserer täglichen Arbeit der größte Antrieb. Hierbei ist auch uns klar, dass ein Kompromiss zwischen optimaler und finanzierbarer Versorgung gefunden werden muss.“ Eine mögliche Schließung einzelner Krankenhausstandorte sei für die Ärzteschaft kein Tabu. Mindestens genauso wichtig sei aber die Erarbeitung neuer und vor allem auch sektorenverbindender Konzepte der Notfallversorgung, so der Kammerchef.

Nach Erfahrung der Landesärztekammer definiere für viele Menschen besonders das kleine Krankenhaus vor Ort die „Heimat“, denn die wohnortnahe medizinische Grundversorgung sei für die Bürgerinnen und Bürger ein sehr hohes Gut. Professor Dr. Wilke, der gleichzeitig Präsident der Bezirksärztekammer Südwürttemberg ist, betont: „Es gehört zur Sicherstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse, keinen prinzipiellen Unterschied zwischen Stadt und Land vorzunehmen. Zudem sollten bei einer so tiefgreifenden Umstrukturierung eines so zentralen Aspekts der Daseinsfürsorge nicht ausschließlich finanzielle Aspekte führend sein.“

Zur Beurteilung der aktuellen Lage lohne der Blick in die Vergangenheit, denn über viele Jahre sind nach Einschätzung der Landesärztekammer einzelne Bundesländer ihren Verpflichtungen bezüglich der Krankenhausfinanzierung nur unzureichend nachgekommen: „Als Konsequenz konnten in vielen Kliniken erforderliche Investitionen in die Bausubstanz wie auch in die apparative Ausstattung nicht mehr vollumfänglich erfolgen“, weiß Dr. Miller. Manche Bundesländer hätten sich einer aktiv steuernden Krankenhausplanung bisher sogar weitgehend entzogen (auch wenn Baden-Württemberg hier weit besser dastehe als andere Regionen). „Viele der in der Bertelsmann-Studie erhobenen Vorwürfe erscheinen uns daher in der geäußerten Härte unangemessen. Aus unserer Sicht ist das Papier damit zu undifferenziert und geht zu wenig auf regionale Besonderheiten ein, gerade mit Blick auf die gute Versorgungssituation in Baden-Württemberg“, so Dr. Miller.

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letzte Änderung am 05.09.2019