Die Landesärztekammer Baden-Württemberg plant die Einführung der Zwei-Faktor-Authentifizerung für den Login auf www.aerztekammer-bw.de bzw. für den Zugriff auf das Dashboard.
Die Einrichtung der Zwei-Faktor-Authentifizierung wird bald möglich sein. Sobald die Einrichtung möglich ist, werden Sie eine Meldung im Login-Dialog sehen.
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Versorgung im Grenzbereich: Wie lange geht es (noch) gut?
© Landesärztekammer Baden-WürttembergDas Motto des diesjährigen Landeskongresses Gesundheit lautete „Versorgung im Grenzbereich“: Wie lange können wir uns noch – bei Fachkräftemangel, unkoordinierten Patientenströmen, chronischer Unterfinanzierung und schleppend vorangehender Digitalisierung – auf eine stabile Versorgung verlassen? Was wäre, wenn es zur „richtig großen Krise“ (Naturkatastrophe, Bündnisfall etc.) kommt? Andererseits hat sich das deutsche Gesundheitssystem in der Corona-Pandemie bereits bewährt, der Versorgungsnotstand blieb aus. – Wo also sind Veränderungen nötig, damit das System resilienter wird?
Der Landeskongress ist seit jeher Netzwerkplattform und Ideenschmiede des baden-württembergischen Gesundheitswesens. Hier wird interdisziplinär gedacht, Lösungswege werden skizziert und Zukunfts-Szenarien entworfen. Auch in diesem Jahr machten sich namhafte Referenten – Prof. Dr. Christian Karagiannidis (unter anderem Past President der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin sowie ehemaliges Mitglied des Expertenrats Gesundheit und Resilienz der Bundesregierung) und Prof. Dr. Michael Hallek (unter anderem Direktor der Klinik I für Innere Medizin am Universitätsklinikum Köln und Vorsitzender des Sachverständigenrats „Gesundheit & Pflege“ sowie des wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer) – in der Messe Stuttgart Gedanken um die Leistungsfähigkeit und Weiterentwicklung des Gesundheitssektors. Sie boten den Teilnehmenden bei der nunmehr elften Kongress-Auflage hochkarätige Keynotes.
Partnerschaftlich veranstaltet wird der Kongress von Landesärztekammer und Kassenärztlicher Vereinigung, Bezirksärztekammer Nordwürttemberg sowie der Landes-Krankenhausgesellschaft, unterstützt von zahlreichen weiteren Institutionen. Dr. Wolfgang Miller, Präsident der Landesärztekammer, hinterfragte bei seiner Begrüßung das Kongressmotto: „Im Grenzbereich – was heißt das genau, muss man wachsam bleiben oder muss man schon konkret handeln?“ Angesichts der komplexen Themenlage verdeutlichte er den Zuhörenden die Situation mit einem Bild: Manchmal heiße Arbeit im Grenzbereich, nur einzelne Weichen neu zu stellen, manchmal sei aber die Generalüberholung eines ganzen Stellwerks nötig. Aufgabe des Kongresses sei es, dies genauer auszuloten und – und auf den Gesundheitsbereich übertragen – die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen und die richtigen Maßnahmen zu ergreifen.
Prof. Karagiannidis analysierte anschließend den „Ist-Zustand“ und zeigte dabei auch „Schwachstellen“ auf: So drohe beispielsweise in der Krankenversicherung eine Beitragsexplosion. Notaufnahmen seien fortwährend überlastet, zumal eine bedarfsgerechte Patientensteuerung allzu häufig gar nicht stattfinde. Im ambulanten Bereich sei die sehr hohe Zahl von Arztkontakten pro Kopf schlicht „inakzeptabel“.
Um die Lage zu entspannen, brachte der Experte unter anderem Integrierte Notfallzentren ins Spiel. Hier könnten Patienten ersteingeschätzt und individuell weitergeleitet werden: Wer ist ein echter Notfall und braucht sofortige Behandlung, wer kann anderweitig versorgt werden? Vor allem die Telemedizin müsste besser integriert werden und könnte dazu beitragen, die richtige Behandlungsebene zu finden. Prof. Karagiannidis sprach sich zudem für eine einheitliche Daten- und Kommunikationsplattform aus: Hätten alle Gesundheitseinrichtungen Zugriff, könnten Behandlungsabläufe viel besser abgestimmt werden.
Auch Prof. Hallek nahm die aktuelle Situation in den Blick und zeigte bei seiner Analyse auf, dass in Deutschland zwar grundsätzlich genügend Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegefachkräfte zur Verfügung stehen, diese aber (in zu vielen Einrichtungen) zu viele Patientenfälle zu versorgen hätten. Sein Vorschlag: Effizientere Abläufe und Prozesse generieren, damit das vorhandene Personal mehr leisten kann und die Versorgungsqualität erhalten bleibt.
Helfen könnte eine besser ineinandergreifende (Primär-)Versorgung. Prof. Hallek stellte hier die Idee der Intersektoralen Zentren zur Verbindung mehrerer Bereiche vor: So könnten beispielsweise Einrichtungen der Kurzzeit-Pflege, der Physiotherapie, Apotheken und ambulante OP-Zentren „unter einem Dach“ mit der Arzt- beziehungsweise Notfallpraxis vor Ort kooperieren. Für viele Menschen wären sie die erste Anlaufstelle. Krankenhäuser hingegen müssen „nicht mehr alles machen“ und können sich auf die für sie relevante Fälle konzentrieren.
Zusammen mit Leonie Dirks, der Amtschefin des baden-württembergischen Gesundheitsministeriums, die stellvertretend für Landes-Gesundheitsminister Manne Lucha für Input von politischer Seite sorgte, vertieften die Experten ihre Gedanken – zur Regelversorgung und zur Versorgung im Grenzbereich – in einer Podiumsdiskussion. Dabei wurde deutlich herausgearbeitet, wovon das baden-württembergische Gesundheitswesen direkt profitieren könnte: Als „low hanging fruit“ wurden unter anderem Maßnahmen zur Verbesserung von Patientensteuerung, Prävention, Digitalisierung, Primärversorgung und Kommunikation identifiziert. – Damit bewies auch der diesjährige Landeskongress Gesundheit, wie wichtig es ist, Akteure aus verschiedenen Bereichen an einen Tisch zu bringen. Denn die komplexen Probleme im Gesundheitssektor lassen sich am besten angehen, wenn man sie gemeinsam betrachtet und Mut zur Veränderung hat.
