Impfen: Schlag ins Gesicht

"Ein Schlag ins Gesicht aller, die sich für das Impfen einsetzen." Mit diesen Worten kommentiert Dr. Wolfgang Miller, Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg, den Umstand, dass die Gesetzlichen Krankenkassen im Südwesten die indikationsunabhängige Simultanimpfung mit einem Hepatitis A/B-Kombinationsimpfstoff ab 1. Mai 2019 nicht mehr als Leistung übernehmen werden; bislang waren die Kassen entgegenkommender Weise dazu bereit gewesen. Künftig wird nur noch die Impfung gegen Hepatitis B von den Krankenkassen übernommen; Kombinationsimpfungen Hepatitis A+B (bspw. bei Reiseimpfungen) muss der Patient (bis auf ganz wenige Ausnahmen) ab kommender Woche aus eigener Tasche zahlen. Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg hatte ihre Mitglieder heute mit Bedauern über die neuen Regelungen in Kenntnis gesetzt.

"Dass die Ärzteschaft von der Aufhebung der Kostenübernahme durch die Kassen just während der Europäischen Impfwoche erfahren muss, ist ärgerlich", sagt der Kammerpräsident. Deutschland debattiere derzeit vor dem Hintergrund von schlechten Impfraten über die Einführung einer Impfpflicht und über den Vorschlag des Bundesgesundheitsministers, die Grippeimpfung modellhaft in Apotheken zu erproben. In dieser Atmosphäre wirkten Kürzungen bei Impfleistungen kontraproduktiv, warnt Dr. Miller und fragt: "Gilt denn der Grundsatz der WHO nicht mehr, nach dem politische Entscheidungsträger die Medizin-, Bildungs- und Sozialsysteme schaffen, die erforderlich sind, um einen chancengleichen Zugang zu Impfstoffen zu gewährleisten?"

"Erst vor wenigen Wochen waren wir beteiligt an der Gründung der Landesarbeitsgemeinschaft Impfen, in der neben den Standesorganisationen auch medizinische Fachgesellschaften, Gesundheitsfachberufe, Krankenkassen, Patientenorganisationen und Gesundheitsbehörden die Impfsituation im Land eingehend analysieren und Hinweise auf eine Verbesserung des Impfschutzes als Beitrag für ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters geben. Verstehen kann ich die Änderung der Rahmenbedingungen für die Hepatitis-Impfung daher überhaupt nicht und ich missbillige sie", kommentiert Dr. Miller.

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letzte Änderung am 26.04.2019