Cannabis-Konsum im Fokus: Suchtsymposium beschäftigte sich mit hochaktuellem Thema

Cannabis-Konsum: ein brisantes Thema, das während der Koalitionsverhandlungen wieder Fahrt aufgenommen hat. Wie muss die Gesellschaft damit umgehen? Sollte Cannabis für den Freizeitkonsum legalisiert werden? Welche Entwicklungen zeichnen sich im medizinischen Gebrauch ab? Das traditionell am Buß- und Bettag stattfindende Suchtsymposium der Landesärztekammer beschäftigte sich in diesem Jahr unter dem Motto „Cannabis in Deutschland – Quo vadis“ mit diesen Fragen. Das Symposium war als Hybridveranstaltung organisiert: Teilnehmer konnten das Geschehen unter strengen Hygieneauflagen vor Ort im Stuttgarter Hospitalhof sowie online per Livestream verfolgen. Auch die Referentinnen und Referenten, die ihr Wissen mit den Teilnehmern teilten und Fragen beantworteten, präsentierten ihre Vorträge in Präsenz und per Zuschalte. 

Dr. Wolfgang Miller, Präsident der Landesärztekammer, unterstrich das Ziel der Veranstaltung: Erkenntnisse liefern aus medizinischer und wissenschaftlicher Sicht und damit zu einer versachlichten, faktenbasierten Debatte beitragen. Aufgabe von Ärztinnen und Ärzte sei es, bei gesundheitlichen Fragen zum Thema Cannabis eng zu unterstützen und Suchtbetroffenen bestmöglich zu helfen. Dr. Miller sprach auch über physische und psychische Folgen, unter denen Betroffene leiden. Denn dass Cannabis-Konsum nicht folgenlos bleibe, sei durch die Ärzteschaft hinreichend belegt.  

Die Vorsitzende des Sucht-Ausschusses der Landesärztekammer und Leiterin des Symposiums, Dr. Paula Hezler-Rusch, skizzierte den gesetzlichen Rahmen des Cannabis-Konsums in Deutschland. Außerdem stellte sie die Anfang November auf dem Deutschen Ärztetag gefassten Beschlüsse zum Thema vor: darunter die Warnung vor den Risiken einer Legalisierung, die Forderung, niedrigschwellige Hilfen für Suchtbetroffene zu etablieren sowie der ärztliche Appell, in der Debatte um Legalisierung den Jugendschutz nicht zu vergessen und entsprechende Präventionskonzepte zu verankern.

Der baden-württembergische Sozialminister Manne Lucha betonte in einer Videobotschaft ebenfalls die Notwendigkeit, differenziert und sachlich zu argumentieren. Es dürfe beim Thema Cannabis nichts verharmlost werden – gleichzeitig müsse man sich bewusstmachen, dass Legalisierung nicht per se alle Probleme löse. Das Suchtsymposium zeige, dass sich die Ärzteschaft mit ihrem gesellschaftspolitischen Wirken am Puls der Zeit befinde.

Die thematische Bandbreite des Symposiums war sehr groß: Die Referentinnen und Referenten sprachen unter anderem über Forschungserkenntnisse zu Cannabis, über Potenziale und Risiken des Konsums, über psychische Störungen von Betroffenen und über medizinische Substitution. Ebenfalls in den Fokus genommen wurde das Konsumverhalten von Jugendlichen sowie die Situation im Ausland.

Der SWR-Hörfunk hat über die Themen des Symposiums mit Dr. Hezler-Rusch gesprochen. Das Interview ist hier zum Nachhören verlinkt.

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letzte Änderung am 17.11.2021