Glückwünsche und Anerkennung für ärztliche Leistungen aus Politik und Gesellschaft

Bezirksärztekammer Südbaden feierte 75-jähriges Jubiläum

Vor 75 Jahren gründete sich in Südbaden eine moderne ärztliche Selbstverwaltung, um die Geschicke der Ärzteschaft zu lenken und gesundheitspolitische Impulse zu setzen. Seither konnte die südbadische Ärzteschaft tief in die Gesellschaft hineinwirken, Vertrauen aufbauen und ihre Spuren hinterlassen. Um das 75-jährige Bestehen angemessen zu würdigen, lud die Bezirksärztekammer Südbaden Anfang Oktober zum Festakt ins Konzerthaus Freiburg ein.

Der Rolf-Böhme-Saal, das Herzstück des Konzerthauses mit langgezogenen, bis zur Bühne reichenden, tiefen Seitenrängen des großflächig mit amerikanischer Kirsche getäfelten Raums, bot dem feierlichen Ereignis den richtigen Rahmen. Die Festgäste waren in großer Zahl erschienen, darunter beispielsweise die ehemaligen Präsidenten der Bezirksärztekammer Dr. Christoph von Ascheraden und Dr. Gerhard Schade sowie der aus Südbaden stammende Ehrenpräsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg, Dr. Ulrich Clever.

Es war eine würdevolle Veranstaltung, die die Tiefe der ärztlich aufgebauten Verbindungen vor Augen führte und durch Blicke sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft gleichzeitig eine Standortbestimmung der Ärzteschaft unternahm. Die Veranstaltung fand unter Beachtung der 3G-Hygieneregeln statt, was die Feierlaue der Anwesenden jedoch nicht beschränkte; vielfach wurde die große Freude darüber betont, dass man sich nach längerer Zeit endlich wieder einmal Gelegenheit zur persönlichen Begegnung habe. Musikalisch umrahmt wurde sie vom Quartetto Constanza, das - zusammen mit David Brooke am Piano - Ausschnitte aus „La terre vue du ciel“ von Armand Amar spielte. Die teilweise sphärischen und anmutigen Klänge boten dem Auditorium die Möglichkeit zur Reflexion von Festreden und -vorträgen.

„Es geht nur im gemeinsamen Miteinander“: Mit dieser Feststellung brachte die Präsidentin der Bezirksärztekammer Südbaden, Dr. Paula Hezler-Rusch, auf den Punkt, was zum Leitthema der Veranstaltung wurde: Die Verbundenheit der Ärzteschaft mit anderen gesellschaftlichen Akteuren und die gemeinsamen Kraftanstrengungen, die nötig sind, um etwas für die Menschen zum Positiven zu verändern. Dr. Hezler-Rusch dankte den anwesenden Repräsentanten aus Politik, Wissenschaft, Medizin und Gesellschaft für die jahrelange, vertrauensvolle Zusammenarbeit und drückte ihre Zuversicht aus, diese Verbindungen weiter ausbauen zu können.

Dass die südbadische Ärzteschaft dies schon jetzt grenzüberschreitend umzusetzen weiß, bewies die Präsidentin, indem sie auch internationale Gäste aus Frankreich und aus der Schweiz begrüßte und Gemeinsamkeiten herausstelle. Die Ärzteschaft Südbadens habe in 75 Jahren immer wieder Einsatz und Haltung gezeigt, betonte Dr. Hezler-Rusch weiter und nannte Beispiele der jüngeren Vergangenheit wie die ärztliche Versorgung geflüchteter Menschen oder den aktiven Beitrag der Ärztinnen und Ärzte zur Bewältigung der Coronapandemie.

Dr. Wolfang Miller, Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg, überbrachte die Glückwünsche der Ärzteschaft aus dem gesamten Bundesland und bedankte sich für ein „wirklich gutes Miteinander“. Deutlich wurde dies auch durch die Präsenz von ärztlichen Funktionsträgern und Mitgliedern der Geschäftsführungen aus den anderen drei Kammerbezirken; sie setzten auf diese Weise ein sichtbares Zeichen der engen Verbundenheit.

Dr. Miller unterstrich die Effizienz der ärztlichen Selbstverwaltung in ganz Baden-Württemberg, da nur in dieser Form pragmatische Entscheidungen, kurze Abstimmungswege und die Einbindung von ärztlichem Know-how vor Ort möglich seien. „Wir regeln unsere Dinge selbst – besser als es andere für uns tun könnten“, sagte Dr. Miller. Zur Untermauerung hob er unter anderem die Rolle der Bezirksärztekammern bei der Pandemiebekämpfung hervor. Mit Blick auf das südbadische Jubiläum wies er darauf hin, dass das Amt des Präsidenten der Landesärztekammer in der Vergangenheit bereits drei Mal an einen Vertreter aus Südbaden gegangen war.

Der baden-württembergische Sozialminister Manne Lucha zeichnete den gemeinsamen Weg der Ärzteschaft und der Landespolitik bei der Bekämpfung des Coronavirus nach: Von der Beschaffung der Schutzausrüstung über die Verteilung des Impfstoffes bis hin zum Aufbau der Impfzentren und der diesbezüglichen Akquirierung des ärztlichen Personals. In puncto Impfmüdigkeit von Teilen der Bevölkerung bat er alle Ärztinnen und Ärzte, auch weiterhin großen Einsatz zu zeigen und für die Wichtigkeit der Schutzimpfung zu werben: „Sie sind Vertrauenspersonen mit der nötigen Autorität – bitte klären Sie die Leute auf und vermitteln Sie ihnen, welch‘ große Chancen der Impfstoff bietet“, sagte Minister Lucha.

Freiburgs Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer und Martin Horn, Oberbürgermeister der Stadt Freiburg, brachten ihre lokal- und regionalpolitische Perspektiven in den Festakt ein, skizzierten die Rolle der Ärzteschaft beim Auf- und Ausbau der Stadt Freiburg als wichtigen Universitäts- und Medizinstandort und würdigten das ärztliche Engagement in verschiedenen Gremien befassen, beispielsweise beim Thema „Zukunft der Gesundheitsversorgung“. Prof. Dr. Frederik Wenz, der Leitende Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Freiburg, sprach über die ärztliche Rolle im Wissenschaftsbetrieb und über die Zusammenarbeit von regionaler Ärztekammer und Universität bei der Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses. Dr. Johannes Fechner, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, hob das große Vertrauensverhältnis zwischen KV und Ärztekammer hervor – wie eng dieses sei, habe das sehr gute Zusammenspiel beider Körperschaften beim Kampf gegen Corona bewiesen.

Nach den Grußworten stellte Südbadens Kammer-Vizepräsident Dr. Ulrich Voshaar dem Auditorium die zwei Festredner vor: Dr. Christoph Schwamm präsentierte die von ihm am Institut für Geschichte der Medizin der Robert-Bosch-Stiftung verfasste neue Chronik „Medizingeschichte im Südwesten“ vor, die die Geschichte der südbadischen Ärzteschaft anschaulich nachzeichnet (siehe auch nachstehender Beitrag). Dr. Schwamm spannte in seinem Vortrag den Bogen von den Anfängen um 1800 bis in die Gegenwart und sparte auch kritische Kapitel wie die Verstrickungen von Ärzten in die Machenschaften des NS-Regimes nicht aus. Deutlich wurde, dass die Geschichte der Ärzteschaft in Südbaden eng in gesamtdeutsche Zusammenhänge eingebunden ist – schon deshalb, da Ärztinnen und Ärzte durch ihre verantwortungsvolle Tätigkeit eine exponierte Rolle hinsichtlich gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen einnehmen.

Dr. Joachim Boldt vom Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Albert-Ludiwigs-Universität Freiburg wagte einen Blick in die Zukunft: Er referierte unter anderem über neue Technologien und Methoden in der medizinisch-ärztlichen Anwendung und damit verbundene ethisch-moralische Fragen: Ob neue digitale Errungenschaften oder Entwicklungen in der nuklearen Medizin: immer seien Fragen wie „Wem nützt es?“, „Wie kann aus Neuem Gutes entstehen?“ und „Wie lässt sich Transparenz herstellen?“ zu bedenken. Antworten darauf zu finden sei gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Ein emotionaler Höhepunkt der Veranstaltung waren die bewegenden Worte des elsässischen Arztes Dr. Charles Schoenahl, Président du Conseil national des médecins Département Bas Rhin, der regionalen Ärztevertretung im benachbarten Straßburg. Er bedankte sich sichtlich bewegt für die Unterstützung der badischen Ärzteschaft im Kampf gegen Corona: Um Triage-Situationen in französischen Krankenhäusern zu vermeiden, hatten im vergangenen Jahr unter anderem südbadische Kliniken französische Covid-19-Intensivpatienten aufgenommen und bestens versorgt - und auf diese Weise Leben gerettet. Dr. Schoenahl überbrachte die Anerkennung seiner französischen Kolleginnen und Kollegen. Dies war ein aufrichtiges Bekenntnis zur europäischen und ärzlichen Solidarität – eine Solidarität, die alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Festaktes mit lang anhaltendem Applaus bedachten.

Zurück

letzte Änderung am 01.10.2021