Mehrtätige DSO-Veranstaltung zu den vielfältigen Anforderungen in der Organspende

Curriculum bereitete Transplantationsbeauftragte auf ihre Aufgaben vor

Das Thema Organspende ist komplex; neben der medizinischen Sicht gibt es rechtliche, ethische, psychologische und organisatorische Aspekte mit zu bedenken. Den Transplantationsbeauftragten in den Entnahmekliniken kommt eine Schlüsselfunktion zu: Sie identifizieren Organspender, organisieren den Entnahmeprozess vor Ort, binden Angehörige ein und arbeiten mit der übergreifend tätigen Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) zusammen. Um am Beginn ihrer Tätigkeit stehende Transplantationsbeauftragte auf ihre Aufgaben vorzubereiten, organisierte die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) mit Unterstützung und Zertifizierung der Landesärztekammer Baden-Württemberg in deren Räumlichkeiten ein Online-Curriculum. Die dreitägige Veranstaltung brachte die Teilnehmer per Livestream mit Expertinnen und Experten unter anderem aus den Bereichen Intensivmedizin / Transplantationsmedizin, Ethik und Psychologie zusammen.
Dr. Wolfgang Miller, Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg, und die Geschäftsführende Ärztin der DSO-Region Baden-Württemberg, Dr. Christina Schleicher, begrüßten zunächst alle Teilnehmer. Darüber hinaus würdigten sie deren großes Engagement, um das lebenswichtige Thema Organspende voranzubringen. Transplantationsbeauftragte würden vor schwierige Situationen gestellt und müssten schnell und unkompliziert Lösungen im wertschätzenden, menschlichen Miteinander finden - "dies verdient großen Respekt und Dank", sagte Dr. Miller.

Der Kammerpräsident skizzierte die täglichen Herausforderungen und Notwendigkeiten, die sich für Transplantationsbeauftragte im Berufsalltag ergeben: so beispielsweise die frühestmögliche Berücksichtigung des Patientenwillens, das einfühlsame Ansprechen von Angehörigen, die großen Flexibilitätsanforderungen hinsichtlich der unstrukturierten Arbeitszeiten und das Schaffen nötiger Freiräume im ohnehin schon stressigen Klinikalltag. Dr. Miller hob aber auch positive Entwicklungen in der Organspende hervor: Neue gesetzliche Maßnahmen von 2019 würden inzwischen greifen; Strukturen und Kooperationen seien verbessert, die Stellung der Transplantationsbeauftragten gestärkt. Auch eine breite gesellschaftliche Debatte habe dem Thema Organspende zu mehr Aufmerksamkeit verholfen. Positiv erwähnte er außerdem die neue Richtlinie Spendererkennung der Bundesärztekammer, die - vereinfacht ausgedrückt - die frühzeitige Beachtung des Patientenwillens durch verschiedene Maßnahmen in den Mittelpunkt rückt.

Am ersten Veranstaltungstag standen neue Gesetze und Erwartungen sowie bestehende ethische Kontroversen in der Organspende auf der Tagesordnung des Curriculums. Auch medizinische Aspekte wie die Erkennung und die intensivmedizinische Behandlung potenzieller Organspender wurden besprochen. Am zweiten Tag fokussierte sich das Curriculum thematisch auf die Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls und auf die Durchführung von Angehörigengesprächen. Am dritten Veranstaltungstag sprachen die Teilnehmer unter anderem über die Themen Organvermittlung durch Eurotransplant, abdominelle und thorakale Organtransplantation sowie Organisation und Durchführung der Entnahmeoperation.

Die DSO konnte nach dem intensiven Veranstaltungsprogramm ein erfreuliches Fazit ziehen. "Das große Engagement der Referentinnen und Referenten in der Vorbereitung und die Bereitschaft der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sich auf das ungewohnte Format einzulassen, machten vor allem in den Workshops eine gute Interaktion möglich und das erste Feedback war positiv", so Dr. Christina Schleicher, Geschäftsführende Ärztin der DSO-Region Baden-Württemberg. Dr. Schleicher dankte in diesem Zusammenhang der Landesärztekammer für die "perfekte Organisation und technische Unterstützung".

Die Kammer arbeitet seit jeher intensiv mit der DSO zusammen und bemüht sich konstant darum, die Förderung der Organspende als wichtigen gesellschaftlichen Aspekt und als Gemeinschaftsaufgabe voranzubringen. Zuletzt hatte die baden-württembergische Ärzteschaft im Sommer 2019 im Rahmen der Vertreterversammlung intensiv darüber diskutiert und entsprechende Maßnahmen benannt. So hob die Ärzteschaft unter anderem die Stärkung der Transplantationsbeauftragten als zentralen Punkt zur Verbesserung der Situation hervor und verankerte das Thema Organspende durch die Zusatzweiterbildung "Transplantationsmedizin" in der ärztlichen Weiterbildungsordnung. Daneben war es der Ärzteschaft wichtig, möglichst die frühe Beschäftigung mit dem Thema zu fördern. Daher befürwortete sie, Aufklärung über Organspende und Lebensrettung in die Lehrpläne allgemeinbildender Schulen zu integrieren.

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letzte Änderung am 24.03.2021