Suchtsymposium der Landesärztekammer fand erstmals als Livestream statt

Medikamentenabhängigkeit

Medikamentenabhängigkeit wird öffentlich kaum wahrgenommen. Betroffene leiden häufig vom Umfeld unentdeckt unter der Sucht und ihren Folgen. Wie die Sirenen in der griechischen Mythologie geht es um Verführung, da die Einnahme der Medikamente Betroffenen vordergründig Linderung von Leid verspricht. In der Folge stürzt sie dies aber weiter ins Unglück, da physische und psychische Abhängigkeiten entstehen.

Das traditionell am Buß- und Bettag abgehaltene Suchtsymposium der Landesärztekammer fand in diesem Jahr coronabedingt erstmals im Online-Format statt. Dabei wurde die Medikamentenabhängigkeit interdisziplinär in den Fokus genommen. Zum einen ging es um Informationen über abhängig machende Medikamente, zum anderen spielte die Praxis eine Rolle: Wie äußert sich die Sucht konkret? Wie können Ärztinnen und Ärzte effektiv und leitlinienkonform helfen? Unter anderem hierüber tauschen sich die teils zugeschalteten Referentinnen und Referenten aus und beantworteten Fachfragen, die die über 250 Veranstaltungsteilnehmerinnen und -teilnehmer - das Geschehen per Livestream verfolgend -  rückmeldeten.

Die Vorsitzende des Sucht-Ausschusses der Kammer, Dr. Paula Hezler Rusch, betonte einleitend die Rolle der Ärzteschaft beim Verschreiben vom Arzneimitteln, beim Erkennen von Abhängigkeiten und beim adäquaten Therapieren: "Medikamentenabhängigkeit liegt näher am ärztlichen Tun als andere Süchte." Kammerpräsident Dr. Wolfgang Miller sagte: "Leiden lindern, Schmerzen stillen, Sterbenden oder Leidenden beistehen - eben auch mit stark wirksamen Medikamenten -, ist ein Segen, eine unserer vornehmsten Aufgaben, und gleichzeitig ein Risiko. Wir müssen in der täglichen Praxis wachsam sein."

Vier bis fünf Prozent aller verordneten Arzneimittel besitzen laut Suchtbericht 2019 der Drogenbeauftragten der Bundesregierung eigenes Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial - unter anderem sind Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie verschreibungspflichtige Schmerzmittel zu nennen. Wie viele Personen in Deutschland medikamentenabhängig sind, kann nur geschätzt werden - die Vortragenden präsentierten dies und weitere Aspekte anschaulich und beleuchteten das Thema Medikamentenabhängigkeit umfassend. Der zugeschaltete Sozialminister Manne Lucha verwies unter anderem auf Initiativen des Landes Baden-Württemberg zur Suchtbekämpfung. Darüber hinaus zeigte er sich erfreut darüber, dass die Landesärztekammer das Symposium trotz Corona im online-Format abhielt: "Die Gefahr der Abhängigkeit ist in Krisenzeiten größer, das Symposium kommt zur richtigen Zeit."

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letzte Änderung am 18.11.2020