Kammerpräsident Dr. Miller: „Das Virus ist fast zur Normalität im Leben geworden“

Ärzteschaft tauscht sich zur Corona-Situation vor Ort in den Landkreisen aus

Corona ist noch nicht vorbei - im Gegenteil: Zum Ende der Sommerferien hat sich das Infektionsgeschehen in Baden-Württemberg beschleunigt. Mehr Mobilität in der Gesellschaft, mehr Corona-Testungen und mehr positiv auf das Virus getestete Menschen bedeuten, dass auch Baden-Württembergs Ärzteschaft wieder vor größeren Herausforderungen stehen könnte:
 
Wie verändert sich nun die Situation in Arztpraxen und Kliniken vor Ort? Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Behörden und Partnern im Gesundheitswesen? Wird es neue Corona-Regelungen geben? Wie muss eine koordinierte Teststrategie aussehen - und inwiefern und ab wann könnte ein möglicher Corona-Impfstoff den Pandemieverlauf grundlegend ändern? Über diese und weitere Fragen tauschte sich die Landesärztekammer Baden-Württemberg mit den Vorsitzenden der Ärzteschaften, Kreisärzteschaften und Ärztlichen Kreisvereinen aus. Kammerpräsident Dr. Wolfgang Miller konferierte im Rahmen einer Videoschalte mit Vorsitzenden und weiteren ärztlichen Funktionsträgern im Land.

Noch im Juli dieses Jahres schien die Situation im Südwesten augenscheinlich beruhigt, blickte Dr. Miller zu Beginn der Schalte zurück. Zu dieser Zeit waren die Infektionszahlen durch verschiedene Maßnahmen vergleichsweise niedrig, die Situation in Arztpraxen und Krankenhäusern hatte sich entspannt.
 
Nun seien die Infektionsraten unter anderem durch Reiserückkehrer aber wieder gestiegen, ein vorläufiger Höherpunkt dieser Entwicklung sei im August auszumachen, sagte Dr. Miller und führte weiter aus: "Die Abstrichzentren und Fieberambulanzen im Land, die im Juli abgebaut wurden, sind aktuell in den Landkreisen nahezu alle wieder geöffnet." In einigen Gebieten würde dies für Entlastung bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sorgen, die neben der Durchführung von Corona-Testungen noch den alltäglichen Praxisbetrieb zu stemmen hätten. In anderen Regionen wiederum würden Corona-Schwerpunktpraxen der Niedergelassenen anfallende Testungen gegenwärtig noch gut allein bewältigen. So sei die Corona-Situation einerseits hochdynamisch, bilanzierte Dr. Miller, andererseits sei das Virus aber inzwischen auch fester Bestandteil des Alltags. "Corona ist fast schon zur Normalität in unserem Leben geworden", so der Kammerpräsident.
 
Gelobt wurde von den Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmern unter anderem auch die gute Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen wie den Maltesern oder dem Deutschen Roten Kreuz. Besonders hervorgehoben wurde auch, dass die Ärztekammer(n) und die Kassenärztliche Vereinigung auf überregionaler wie auch auf lokaler Ebene stets gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten.

Die Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und Vizepräsidentin der Landesärztekammer, Agnes Trasselli, berichtete von der aktuellen Situation in Kliniken: So seien gerade auf Landesebene Pläne in der Ausarbeitung, dass Kliniken bei niedrigen Vor-Ort-Inzidenzen für Corona-Patienten freigehaltene Intensivkapazitäten herunterfahren könnten. Dies würde den Krankenhäusern nötige Flexibilität im Klinikalltag und bei der Behandlung anderer schwer beziehungsweise akut erkrankter Patientinnen und Patienten geben. "Das heißt aber nicht, dass diese Pläne nicht wieder angepasst werden, wenn bei geändertem Infektionsgeschehen mehr Patientinnen und Patienten in die Krankenhäuser kommen", betonte Trasselli. "Jede Maßnahme kann nur eine Momentaufnahme sein."

Die Punkte Änderungen an der bestehenden Corona-Verordnung, neue Teststrategien, Reiserückkehrer, Infektionsfälle in der eigenen Praxis, schnelle Kommunikation innerhalb der Ärzteschaft sowie Fortbildungs-Veranstaltungen von der und für die Ärzteschaft standen ebenfalls auf der Tagesordnung der Online-Konferenz. Demnächst erwartet wird eine neue Teststrategie des Landes, an der intensiv gearbeitet werde, wie Kammer-Vizepräsidentin Trasselli berichtete. Thematisiert wurde auch, wie aktuell und zum baldigen Schulbeginn mit Erkältungssymptomen bei Kindern und Jugendlichen vor dem Hintergrund eines Corona-Verdachts umzugehen sei. - Das baden-württembergische Sozialministerium bietet diesbezüglich Empfehlungen zum Umgang mit Erkältungs- und Krankheitssymptomen bei Kindern und Jugendlichen.

Kammerpräsident Dr. Miller gab am Ende der Videokonferenz die Wertschätzung des baden-württembergischen Sozialministers Manfred Lucha an die Ärzteschaft weiter. Zudem dankte er selbst allen Beteiligten: "Ärztinnen und Ärzte erfüllen eine sehr wichtige Funktion in dieser Gesellschaft. Erfüllen können sie diese Funktion nur, wenn sie sich mit allem Engagement in die Pflicht nehmen lassen. Dies haben Sie alle getan - Sie machen allen Widrigkeiten zum Trotz einen tollen Job."

Zurück

letzte Änderung am 04.09.2020