Landeskongress Gesundheit diskutierte über die künftige Versorgung

Leuchtturm der Gesundheitsvernetzung in Deutschland

Im Rahmen der diesjährigen MEDIZIN trafen sich Vertreter aus allen Bereichen des baden-württembergischen Gesundheitswesens beim vierten Landeskongress Gesundheit. Unter dem Motto „Gesundheit - von Menschen für Menschen“ diskutierten sie unter anderem über die Digitalisierung in der Medizin, die Zukunft der ambulanten und stationären Versorgung, den demografischen Wandel als Herausforderung für die Gesundheitsberufe und die individuelle Gesundheitsvorsorge.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der auch in diesem Jahr wieder die Schirmherrschaft über die Veranstaltung übernommen hatte, bezeichnete den Kongress als „Leuchtturm der Gesundheitsvernetzung in Deutschland“. Nicht ohne Stolz betonte er, dass jeder achte Arbeitsplatz in Baden-Württemberg dem Gesundheitswesen zuzuordnen ist – deutlich mehr, als in der sonst so prominenten Automobilindustrie.

Im Zentrum dieser Arbeitsplätze stünden Hilfeleistungen für die Bevölkerung sowie Erforschung und Entwicklung neuer Heilmethoden. Dabei gehe es einerseits um die individuelle Gesundheit jedes Einzelnen und andererseits um die Gesundheit des gesamten Landes, so Kretschmann. Dazu brauche es eine Kultur der Innovationen und eine bessere Zusammenarbeit von Wirtschaft, Forschung und Versorgung.

Der Präsident der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg und „Hausherr“ der dreitägigen MEDIZIN, Dr. Klaus Baier, forderte, man müsse die Strukturen und Potenziale bündeln, um die Herausforderungen im Gesundheitswesen zu bewältigen. - Einblicke in aktuelle Herausforderungen der Gesundheits- und Pflegepolitik gab Dr. Thomas Gebhart MdB, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium. Er identifizierte als wichtigstes Ziel die „flächendeckende Versorgung, unabhängig von Geldbeutel und Wohnort“. Die momentan gute finanzielle Lage bei den Krankenkassen lasse es zu, diesem Ziel durch Gesetzesinitiativen wie dem Versichertenentlastungsgesetz und dem Pflegestärkungsgesetz näher zu kommen. Vor allem im Bereich der Pflege sollen Maßnahmen ergriffen werden, um den Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Dazu zählen bessere Rahmenbedingungen, um ein frühes Ausscheiden aus dem Pflegeberuf zu vermeiden, mehr Auszubildende und Akquise von Fachkräften aus dem Ausland.

Auch die Digitalisierung könne im Gesundheitswesen als Zugewinn genutzt werden und dabei helfen, dass Menschen gesund bleiben und gesund werden, so Dr. Gebhart. Die Idee der elektronischen Patientenakte sei es, Gesundheitsdaten schnell für die Versorgung verfügbar zu machen. Der wichtigste Punkt bleibe aber, dass die Patientinnen und Patienten das Hoheitsrecht über ihre Daten behalten und selbst entscheiden, welche Daten erfasst werden und wem der Zugriff erlaubt ist.

Aus dem Alltag der Versorgung berichtete Sylvia Kern, Geschäftsführerin der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e.V. Sie bemängelte vor allem die dramatischen Engpässe in der stationären und ambulanten Pflege, aber vor allem in der Situation der Heimplätze. Außerdem hob sie hervor, dass zum Heilungsprozess - unabhängig vom Krankheitsbild - nicht nur Medikamente gehören, sondern auch Zuneigung, Empathie und Vertrauen zum behandelnden Arzt. Hinzu komme eine Begegnung auf Augenhöhe und die Wahrnehmung des Patienten „als Mensch“ und nicht „als Fall“. Vor allem Alzheimerpatienten kämen aufgrund langer Wartezeiten beim Arzt, langer Entfernungen zur nächsten Praxis und Angst vor der Diagnose und den Folgen häufig erst spät oder gar nicht in medizinische Betreuung. Bei der Therapie sei eine Zusammenarbeit mit den Angehörigen ebenso wichtig wie die direkte Behandlung der Betroffenen.

Am Nachmittag wurden Fragen zur Zukunft der medizinischen Versorgung, der Digitalisierung und der besseren Gesundheitsvorsorge in den World Café Foren vertieft. Die wichtigsten Ergebnisse aus den vielschichtigen Gesprächen wurden im Anschluss dem Plenum präsentiert. Eine der zentralen Forderungen war die Schaffung von besseren infrastrukturellen Rahmenbedingungen für Ärztinnen und Ärzte. Außerdem wurde gefordert, eine frühzeitige Aufklärung und Prävention schon in Schule und Kindergarten anzustreben. In Notaufnahmen sollte eine bessere Verteilung von Patienten durch zentrale Empfangstresen gewährleistet werden. Auch die Chancen und Gefahren der Digitalisierung waren Teil der Gesprächsrunden, genauso wie die Frage, ob Pflegekräfte aus dem Ausland den Personalnotstand in Baden-Württemberg beheben können.

Der diesjährige Landeskongress Gesundheit war nach Überzeugung aller Beteiligten ein voller Erfolg. Besonders der interdisziplinäre Austausch sowie die Einbindung der Landes- und Bundespolitik waren der richtige Nährboden, um das Gesundheitswesen in Baden-Württemberg voranzubringen und Ideen für die Zukunft entwickeln zu können.

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letzte Änderung am 04.02.2019