08. Juli 2026

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Reformpläne

Interview zur Verschärfung der Krankschreibung

Kammerpräsident Dr. Miller steht für ein Interview vor der Kamera© Landesärztekammer Baden-WürttembergKammerpräsident Dr. Miller beim Fernsehinterview

Das Vorhaben der Bundesregierung, die telefonische Krankschreibung abzuschaffen sowie die zwingende Krankschreibung „ab dem ersten Tag“ einzuführen, hat hohe Wellen geschlagen und für reichlich Diskussionen gesorgt. Vielerorts regte sich Kritik; auch die Landesärztekammer Baden-Württemberg hatte öffentlichkeitswirksam Stellung bezogen und die Pläne einen „Schritt in die völlig falsche Richtung“ genannt (noch mehr Terminmanagement für überlastete Arztpraxen, noch vollere Wartezimmer, unnötige Ansteckungsgefahr, Ärztinnen und Ärzte „unter Generalverdacht“ etc.).

Nun hat Kammerpräsident Dr. Wolfgang Miller die Position der Ärzteschaft in einem Interview mit dem Fernsehsender „Regio TV“ nochmal unterstrichen. Explizit ging er dabei auf den bei den Reformplänen „mitschwingenden“ Vorwurf ein, dass Ärztinnen und Ärzte ihre Patienten aus „bloßer Gefälligkeit“ krankschreiben, und wies diesen Generalverdacht in aller Deutlichkeit zurück. Für die telefonische Krankschreibung sowie für die Krankschreibung „persönlich in der Arztpraxis“ würden genaue Regeln und Abläufe gelten, an die sich Ärztinnen und Ärzte selbstverständlich hielten. „Krankschreiben einfach so? – Das wollen wir nicht und das machen wir auch nicht“, hielt Dr. Miller fest. Zudem betonte er nochmals, dass die telefonische Krankschreibung bisher dazu beigetragen habe, das Medizinische Personal zu entlasten. Die geplante Abschaffung sei daher äußerst kontraproduktiv.  

Konflikt nicht „auf dem Rücken der Ärzteschaft“ austragen

Auch sei der hinter den Regierungsplänen liegende Konflikt ein gesellschaftlicher (viele Menschen stellen sich aktuell die Frage, ob Arbeitnehmer von der Bundesregierung als „zu faul“ wahrgenommen werden und die geplanten verschärften Krankschreiberegeln nun als „Antwort“ beziehungsweise Disziplinierungsmaßnahme gelten). Arztpraxen seien aber wohl kaum der richtige Ort, um diesen Konflikt „auf dem Rücken der Ärzteschaft“ auszutragen, betonte der Kammerpräsident. 

Unterstützung bekommt die Ärzteschaft von der Landespolitik. Oliver Hildenbrand, der neue baden-württembergische Gesundheitsminister, wurde ebenfalls von Regio TV zum Thema befragt und bezeichnete den Vorstoß der Bundesregierung als „populistisch“.  

Hier geht es direkt zum Beitrag von Regio TV.