Verbesserung der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung in Baden-Württemberg

Die Landesärztekammer Baden-Württemberg fordert die Landesregierung und das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg auf, sich intensiv für eine Verbesserung der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung in Baden-Württemberg einzusetzen und die Bemühungen der Landesarbeitsgemeinschaft der leitenden Ärztinnen und Ärzte kinder- und jugendpsychiatrischer Abteilungen in Baden-Württemberg (LAG) zu unterstützen, auch gegenüber den Kostenträgern.

Begründung:

Im „Kinderland Baden-Württemberg“ ist es um die kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung sehr schlecht bestellt. In großen Teilen unseres Landes gibt es zu wenig niedergelassene Kinder- und JugendpsychiaterInnen, Tendenz abnehmend durch Nachbesetzungsprobleme. Das Land Baden-Württemberg ist nach Bayern das Bundesland mit der schlechtesten Ausstattung mit kinder- und jugendpsychiatrischen Betten. Die durchschnittliche Bettenmessziffer (BMZ) in Deutschland (Stand 2016 laut statistischem Bundesamt) beträgt 4,63 Betten pro 10.000 Einwohner < 18 Jahren. In Baden-Württemberg haben wir eine durchschnittliche BMZ von 3,51 Betten pro 10.000 Einwohnern < 18 Jahren.

Die Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie verzeichnen einen stetigen Anstieg von Notaufnahmen. Aktuell liegt die Notfallfallquote bei durchschnittlich 46,1 % aller Aufnahmen. Durch die hohe Anzahl der stationären Notfälle steigen die langen Wartezeiten für Regelpatienten noch mehr an.

Das führt dazu, dass die Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Baden-Württemberg seit vielen Jahren versuchen, die Mangelversorgung durch Überbelegungen und (vor)schnelle Entlassungen zu Lasten der jungen PatientInnen und ihrer Eltern zu kompensieren. Die Situation ist besorgniserregend und geht einher mit der großen Gefahr der Chronifizierung von psychischen Störungen. Mehr als die Hälfte aller psychischen Störungen des Erwachsenenalters beginnt im Kindes- und Jugendalter, und eine adäquate frühe Behandlung ist geboten.

Zusammenfassend reichen die Versorgungskapazitäten der Kliniken nicht aus um eine wohnortnahe Regel- und Akutversorgung sicher zu stellen. Aufgrund der geringen Bettenzahl ist es bspw. auch kaum möglich, störungsspezifische stationäre Angebote (bspw. für jugendliche Borderline-Patienten) aufrechtzuerhalten.

Aus Sicht der Landesärztekammer ist das Land Baden-Württemberg aufgerufen, mehr Kapazitäten zu schaffen – aus ärztlich-ethischer Sicht und als Gebot der UN-Kinderrechtskonvention Art. 24 im Sinne einer guten Versorgung der minderjährigen Patienten.

letzte Änderung am 27.11.2017

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