Medizinische Versorgung von Flüchtlingen (28.11.2015)

Die Landesärztekammer Baden-Württemberg fordert bei der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen die Landesregierung Baden-Württemberg auf, dass

  1. landesweit einheitliche Standards für die ärztliche Untersuchung sowohl zum Ausschluss ansteckender Erkrankungen als auch zur Feststellung eines medizinischen Versorgungsbedarfes bei der Aufnahme in Gemeinschaftseinrichtungen gelten.
  2. die Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes zur frühzeitigen Impfung bei Asylsuchenden in Gemeinschaftsunterkünften vom Land übernommen werden. Hierzu gehört neben den von der STIKO empfohlenen Schutzimpfungen auch die Impfung gegen die saisonale Influenza zur Reduzierung des Risikos von Influenzaausbrüchen bei der Unterbringung in Gemeinschaftseinrichtungen.
  3. geschultes medizinisches Fachpersonal (z. B. Medizinische Fachangestellte, Pflegekräfte) in ausreichender Zahl in allen Einrichtungen als Ansprechpartner für alltägliche gesundheitliche Fragestellungen der Flüchtlinge sowie für die Erkennung akuter gesundheitlicher Probleme zur Verfügung steht.
  4. ärztliche Sprechstunden in geeigneten Räumlichkeiten vor allem in den größeren Gemeinschaftseinrichtungen für Flüchtlinge als Brücke zur gezielten und bedarfsgerechten Vermittlung in die ärztliche Regelversorgung in den entsprechenden Fachgebieten eingerichtet werden. Dazu gehört auch die notwendige Erkennung und Behandlung psychischer Erkrankungen, z. B. als Folgen psychischer Traumatisierungen.
  5. bei Vorliegen akuter gesundheitlicher Probleme unverzüglich eine strukturierte Weiterleitung in die ambulante oder stationäre ärztliche Regelversorgung ohne institutionelle Barrieren erfolgt.
  6. Untersuchungsbefunde an Dritte (Behörden, Einrichtungsbetreiber) nur weitergeleitet werden, soweit dafür gesetzliche Vorgaben bestehen, damit der ärztlichen Schweigepflicht und dem Schutz der Gesundheitsdaten Rechnung getragen werden. Im Übrigen sollte eine Mitteilung der Untersuchungsbefunde an den untersuchten Flüchtling erfolgen.
  7. Sprach- und Kulturmittler als Voraussetzung für eine gute medizinische Versorgung zur Verfügung stehen. Ausbildung und Einsatz von Sprach- und Kulturmittlern müssen stärker gefördert werden.

Stand: 02.12.2015

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letzte Änderung am 02.12.2015