Telemedizin überzeugt

Eine gelungene Premiere für den Landesgesundheitskongress Ende Januar in Stuttgart: Am Rande der MEDIZIN trafen sich knapp 200 Ärztinnen und Ärzte sowie Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Krankenkassen usw., um sich einen Tag lang dem Megatrend „Digitalisierung des Gesundheitswesens“ zu widmen. Veranstalter waren die Ärztlichen Körperschaften, die Krankenhausgesellschaft, sowie die Landesmesse.

Die Veranstaltung analysierte nicht nur den aktuellen Stand von E-Health und Telemedizin in Baden-Württemberg, sondern sie zeigte auch Perspektiven auf, beispielsweise in einer kenntnisreich vorgetragenen Keynote des EU-Kommissars für digitale Wirtschaft und Gesellschaft, Günther Oettinger.

Im „World-Café“ diskutierten die Teilnehmer in Kleingruppen sehr angeregt verschiedene Thesen. Dabei wurde unter anderem deutlich, dass E-Health die klassische Versorgung allenfalls ergänzen kann. Zudem müsse der Patienten- und Arztnutzen von digitaler Behandlung stets kritisch hinterfragt werden. Die zu erwartenden Veränderungen in Arztpraxen und Kliniken durch Einsatz von Telemedizin blieben – bei aller Euphorie für das technisch machbare – nicht ohne Kritik; vor allem der Datenschutz wurde allenthalben angemahnt.

Es wurde auch eindrucksvoll demonstriert, wie Telemedizin bereits heute praktisch abläuft: In der Schweiz bieten manche Krankenkassen ihren Versicherten einen Sondertarif, bei dem sich der Einzelne verpflichtet, im Fall von gesundheitlichen Problemen zuerst den Dienstleister „Medgate“ anzurufen. Dort erreicht er rund um die Uhr einen kompetenten Ansprechpartner (und kann beispielsweise auch Fotos übertragen, z.B. von Hautveränderungen). Zu einer vereinbarten Zeit meldet sich dann ein Mediziner telefonisch, führt eine Anamnese durch, bespricht die ideale Behandlung und stellt, falls telemedizinisch sinnvoll, ein Rezept oder eine AU-Bescheinigung aus.

Auf diese Weise beantworten rund 90 Ärztinnen und Ärzten derzeit 4000 medizinische Konsultationen pro Woche. Fälle, die sich nicht am Telefon lösen lassen, werden an herkömmliche Spezialisten überwiesen. – Bei aller Faszination, die dieser Service auf viele Anwesende ausübte: Der Einführung derartiger Modelle steht in Deutschland die ärztliche Berufsordnung entgegen, um den Patientenschutz zu gewährleisten.

Dennoch: Waren zu Beginn des ersten Landesgesundheitskongresses knapp 61 Prozent der Teilnehmer davon überzeugt, dass sich die Zusammenarbeit im medizinischen Bereich durch die Digitalisierung verbessern wird, so hat sich diese Zahl bis zum Ende des Tages deutlich auf 65 Prozent gesteigert. – Die Telemedizin wird demnach weiter im Fokus der Aufmerksamkeit aller Akteure bleiben.

Weitere Informationen: www.lk-gesundheit.de



Zurück

letzte Änderung am 01.02.2016