Bezirksärztekammer Nordwürttemberg erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus

Ein Mahnmal gegen das Vergessen

Die Bezirksärztekammer Nordwürttemberg wird in Kürze auf ihrem Gelände in Stuttgart-Degerloch ein Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus errichten. Nach dem Ende des Krieges 1945 kam es bereits am 17. Februar 1946 zur Gründungsversammlung der Nordwürttemberger Ärzteschaft. Bis die Kammer tatsächlich ihre Arbeit aufnehmen konnte, sollte es noch etliche Monate dauern; dennoch: mit der Neustrukturierung der verfassten Ärzteschaft wurde ein Versuch unternommen, auch im standespolitischen Bereich nach dem Nationalsozialismus einen Neuanfang mit einer neuen Orientierung der Standesorganisationen zu wagen.

Das Mahnmal soll zum siebzigsten Jubiläum der Gründungsversammlung 1946 am 17. Februar 2016 enthüllt werden. Die Ärzteschaft Nordwürttemberg will einerseits würdig an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern, andererseits aber auch die besondere Verantwortung der Ärzteschaft zum Erhalt einer menschlichen Medizin hervorheben.

Bereits vor über zehn Jahren wurde 2005 in der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg eine "Arbeitsgruppe zum Umgang der Bezirksärztekammer mit dem Nationalsozialismus" ins Leben gerufen, die ein Konzept entwickeln sollte, wie sich der Umgang der heutigen Bezirksärztekammer mit der eigenen Geschichte im Nationalsozialismus gestalten könnte.

Die jüngere Vergangenheit ärztlicher Standesorganisationen ist in vielen Bereichen gut bearbeitet und auch die Bezirksärztekammer Nordwürttemberg hat anlässlich ihres 50-jährigen Jubiläums eine fundierte Chronik herausgegeben. Andererseits ist die Geschichte der Kammer während des sogenannten Dritten Reiches nicht vollständig untersucht, was nicht zuletzt an der schwierigen Quellensituation liegt: 1944 war das damalige Kammergebäude durch einen Bombenangriff mit nahezu allen Akten zerstört worden.

Da die Arbeitsgruppe keine Möglichkeiten besaß, eigene historische Untersuchungen im erforderlichen Umfang durchzuführen, mussten zur Bewältigung des Arbeitsauftrages andere Lösungen gesucht werden. Daher wurden regional entstandene medizinhistorische Arbeiten und Dissertationen mit Hilfe der Bezirksärztekammer veröffentlicht. So wurden - um nur einige zu nennen - Arbeiten zu "Stuttgarter jüdischen Ärzten während des Nationalsozialismus"  und zuletzt auch Untersuchungen über die Stuttgarter Kindereuthanasie im NS gefördert.

Auch in der breiten Öffentlichkeit konnten mit etlichen Publikationen und Veranstaltungen weitere Beiträge zur Aufarbeitung der Verwicklung der Ärzteschaft im Nationalsozialismus geleistet werden. Neben öffentlichen Veranstaltungen im Haus der Geschichte wurde insbesondere zu den Ärztekongressen auf der Stuttgarter Messe das Thema "Medizin, Ärzteschaft und Nationalsozialismus" vielgestaltig und multimedial in Szene gesetzt und so einer Vielzahl von Kolleginnen und Kollegen ins Bewusstsein gerufen.

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letzte Änderung am 10.12.2015