Landesärztekammer-Präsident begrüßt schnelle und unbürokratische Hilfe

"Ärztinnen und Ärzte sind hoch motiviert für die medizinische Versorgung von Flüchtlingen"

Aus aktuellem Anlass erklärt der Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg, Dr. Ulrich Clever: "Die hohe Zahl von Flüchtlingen, die (auch) nach Baden-Württemberg kommen, stellt alle Teile unserer Gesellschaft vor große Herausforderungen. Die baden-württembergische Ärzteschaft ist wie bisher hoch motiviert und weiterhin bereit, ihren Teil dazu beizutragen, dass die medizinische Versorgung der Flüchtlinge gelingt."

Überall im Südwesten, wo Flüchtlinge bislang ankamen, seien Ärztinnen und Ärzte gerufen worden und zur Stelle gewesen. Es sei der Ärzteschaft dabei weder um Vergütung noch um den Versicherungsstatus gegangen; im Vordergrund habe stets die schnelle und unbürokratische Hilfe gestanden, betont der Kammerpräsident. "Besonders die ärztlichen Erstuntersuchungen und vorbeugende Impfungen sowie die Versorgung schwärender Wunden von langen Fußmärschen auf der Flucht standen dabei bislang im Mittelpunkt."
Nicht zuletzt den vier Bezirksärztekammern in Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg und Reutlingen sei durch ihre enge lokale Vernetzung, unter anderem mit den Kommunen und Hilfseinrichtungen, zu verdanken, dass die schnelle Hilfe möglich wurde und auch kurzfristig Informationsangebote für die Ärzteschaft geschaffen wurden.

"Jetzt gilt es, die Ersthilfe organisatorisch auf soliden Boden und für die Zukunft pragmatisch handhabbar zu machen", fordert Dr. Clever. Er sieht dabei allerdings Regelungen im Asylbewerberleistungsgesetz kritisch, nach denen nur die Behandlung akuter Erkrankungen und dies auch nur nach behördlicher Genehmigung möglich seien. "Für Ärztinnen und Ärzte ist es bedeutungslos, woher jemand kommt. Wir wollen alle Menschen nach den gleichen Kriterien behandeln dürfen."

Bereits Ende Juli hatte die Landesärztekammer Baden-Württemberg daher gefordert, dass in Baden-Württemberg Asylbewerber und Flüchtlinge flächendeckend mit ihrer Ersterfassung und unabhängig von ihrem Status eine elektronische Gesundheitskarte erhalten. Eine Gesundheitskarte für alle Flüchtlinge beuge nicht nur dramatischen Notfällen oder Fehleinschätzungen vor, sie vermeide auch überflüssige Bürokratie und spare dadurch Kosten.

Für problematisch hält die Ärzteschaft auch verschiedene Verfahren zur Altersfeststellung von Flüchtlingen: Ebenfalls Ende Juli hatte die Vertreterversammlung der Landesärztekammer Baden-Württemberg festgestellt, dass zur Altersbestimmung von unbegleiteten jugendlichen Asylbewerbern medizinische Methoden wie radiologische Untersuchungen der Handwurzelknochen, des Schlüsselbein-Brustbeingelenks oder des Zahnstatus sowie die Inaugenscheinnahme des Genitalbereichs als ungeeignet erachtet werden. "Dafür gibt es keine medizinische Indikation", betonte der Ärztekammer-Präsident jetzt erneut, zumal beispielsweise das Röntgen einen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit der Flüchtlinge darstelle.

Hinsichtlich der häufig schwierigen sprachlichen Verständigung mit Flüchtlingen und Asylbewerbern hat die Landesärztekammer Baden-Württemberg ihren Mitgliedern, den rund 65000 Ärztinnen und Ärzten im Lande, kürzlich Anamnesebögen und Therapiepläne in 22 Sprachen zur Verfügung gestellt. Sie ermöglichen die Verbesserung der Verständigung durch die Kombination von Bildern und kurzen mehrsprachigen Untertiteln. Durch Antippen während des Gesprächs mit Patienten erreicht man niederschwellig viele, die die deutsche Sprache (noch) nicht ausreichend sprechen bis hin zu denjenigen, die Probleme mit geschriebener Sprache haben. Derzeit hält die Landesärztekammer 22 Sprachen vor, inklusive der neben Arabisch sehr gefragten Sprachen Tigrinya und Urdu. In Kürze werden auch Amharisch und Somali erhältlich sein.

Hinweis für die Redaktionen:
Die Landesärztekammer Baden-Württemberg vertritt rund 65.000 Ärztinnen und Ärzte in Baden-Württemberg. Zu unseren Aufgaben gehören die Fort- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten, die Berufsaufsicht, die Qualitätssicherung sowie die Information von Bürgerinnen und Bürgern über die ärztliche Tätigkeit sowie berufsbezogene Themen.

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letzte Änderung am 18.09.2015