Masterplan Medizinstudium 2020

BÄK fordert neue Auswahlverfahren für das Medizinstudium

Berlin 04.08.2015 - Die Bundesärztekammer (BÄK) hat sich für eine zielgerichtetere Auswahl von Studienplatzbewerbern für das Fach Medizin ausgesprochen. In einer Stellungnahme zu dem von der Bundesregierung geplanten "Masterplan Medizinstudium 2020" fordert sie, dass neben der Abiturnote weitere Kriterien für das Auswahlverfahren herangezogen werden sollten.

Verstärkt berücksichtigt werden sollten unter anderem auch psychosoziale Kompetenzen, soziales Engagement und einschlägige Berufserfahrung, zum Beispiel eine bereits abgeschlossene Berufsausbildung in einem anderen Fachberuf im Gesundheitswesen. Um die Universitäten in die Lage zu versetzen, qualitativ hochwertige Auswahlverfahren durchzuführen und neue Verfahren erproben zu können, sollten besonders diejenigen Universitäten, die objektivierbare Assessments auf rechtlich abgesicherter Basis transparent durchführen, in diesem Punkt finanziell unterstützt werden. Für die Assessments sollten bundeseinheitliche Kriterien festgelegt werden.

Angesichts des sich weiter verschärfenden Ärztemangels sei es zudem dringend notwendig,  die Zahl der Studienplätze bundesweit um mindestens zehn Prozent zu erhöhen. Die BÄK weist in ihrer Stellungnahme darauf hin, dass es im Jahr 1990 allein in den alten Bundesländern im Studiengang Humanmedizin 12.000 Studienplätze gab. "Diese wurden seitdem kontinuierlich reduziert. Statt 16.000 Plätzen, die sich nach der Wiedervereinigung aufgrund der acht hinzugekommenen Fakultäten hätten ergeben müssen, sind es aktuell nur noch rund 10.000."

Diese Entwicklung habe dazu geführt, dass sich immer mehr Bewerber um immer weniger Studienplätze bemühen müssten und ein großer Teil von ihnen erfolglos bleibe.

Viele Bewerber erhielten über das Los- und Klageverfahren lediglich einen sogenannten Teilstudienplatz, bei dem die Zulassung nur auf den vorklinischen Studienabschnitt beschränkt ist. Die Studierenden würden nach Bestehen des Ersten Abschnitts der Ärztlichen Prüfung exmatrikuliert. "Gerade in Zeiten des Ärztemangels erscheint es nicht zielführend, den ärztlichen Nachwuchs auf halber Strecke auszubremsen", kritisiert die BÄK.

Sie fordert, die Methodik der Kapazitätsberechnung dahingehend zu ändern, dass Medizinstudierenden mit Teilstudienplatz nach dem ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung ein nahtloser Übergang in die klinischen Semester ermöglicht wird. Unerlässlich sei, dass die Änderung des Kapazitätsrechts durch eine ausreichende Finanzierung flankiert wird.

Um den Ärztemangel insbesondere im hausärztlichen Bereich zu mildern, spricht sich die Bundesärztekammer zudem dafür aus, Medizinstudierende gleich zu Beginn des Studiums an das Gebiet der Allgemeinmedizin heranzuführen. "Dafür müssen bis 2017 an allen medizinischen Fakultäten in Deutschland Lehrstühle für Allgemeinmedizin eingeführt werden", fordert die BÄK.

Stellungnahme der Bundesärztekammer zu den Themen für den "Masterplan Medizinstudium 2020" insbesondere hinsichtlich möglicher Maßnahmenvorschläge [PDF]
Stand: 31.07.2015

Maßnahmenvorschläge der Bundesärztekammer - "Masterplan Medizinstudium 2020" Themenblock "Zielgerichteter Auswahl der Studienplatzbewerber" [PDF]
Stand: 31.07.2015

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letzte Änderung am 05.08.2015