Der wichtigste Tag im Leben

Es war nach eigenem Bekunden einer der wichtigsten Tage im Leben von 17 ausländischen Ärztinnen und Ärzten, als sie Anfang März in der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg ihre deutsche Approbationsurkunde empfingen. Vorausgegangen waren acht überaus arbeits- und lernintensive Monate, in denen sie den ersten Vorbereitungskurs der Ärztekammer für die sogenannte Kenntnisprüfung besuchten.

Eine einfache „Umschreibung“ ihrer ärztlichen Zeugnisse, die unter anderem aus Russland, Syrien, Rumänien, Griechenland, Slowenien oder El Salvador stammen, war nicht möglich gewesen. Denn Arztdiplome, die außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes und der Schweiz erworben wurden, müssen in Deutschland zunächst von der Approbationsbehörde auf Gleichwertigkeit geprüft werden. Stellt die Behörde wesentliche Unterschiede zwischen der ärztlichen Ausbildung des Herkunftslandes und der ärztlichen Ausbildung in Deutschland fest, kann sie vom Arzt eine Kenntnisprüfung verlangen.

Diese Kenntnisprüfung bezieht sich auf den Inhalt des deutschen Studiums; der ausländische Arzt muss nachweisen, dass er über das gleiche Wissen verfügt, das von einheimischen Absolventen medizinischer Hochschulen verlangt wird. Die Schwerpunkte der Prüfung liegen auf den Fächern Innere Medizin und Chirurgie; ergänzend auch Notfallmedizin, klinische Pharmakologie und Pharmakotherapie, bildgebende Verfahren und Strahlenschutz sowie Rechtsfragen der ärztlichen Berufsausübung. Die Kenntnisprüfung ist ein mündlich-praktisches Examen mit Patientenvorstellung und dauert zwischen 60 und 90 Minuten. Sie kann maximal zwei Mal wiederholt werden.

Doch wie bereitet man sich auf die Kenntnisprüfung vor, zumal man dafür auch über ausreichende Kenntnisse sowohl in der Umgangs- als auch in der Fachsprache verfügen muss? – Die Bezirksärztekammer Nordwürttemberg startete in Kooperation mit dem IQ Netzwerk Baden-Württemberg im vergangenen Jahr erstmals einen maßgeschneiderten Kurs. Er  umfasste 320 Unterrichtseinheiten (fach-) sprachlichen Unterricht, ferner absolvierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer 440 Unterrichtseinheiten medizinische Theorie sowie ein 13-wöchiges Praktikum. Das Programm finanzierten das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Bundesagentur für Arbeit.

Im Rahmen einer Feierstunde wurden die Approbationsurkunden den sichtlich gerührten Absolventen überreicht. Seither steht ihnen der deutsche Arbeitsmarkt offen; die meisten haben über den Kurs sogar schon eine feste Stelle gefunden. Die sympathischen Kolleginnen und Kollegen werden sicherlich mit großem Engagement und uneingeschränkter Tatkraft ihren Teil dazu beitragen, die medizinische Versorgung zu sichern und damit auch den hiesigen Ärztemangel zu verringern. Nach den Worten von Vizepräsident Dr. Stephan Roder wird die Bezirksärztekammer Nordwürttemberg auch künftig ausländische Ärztinnen und Ärzte nach Kräften unterstützen – die nächsten Vorbereitungskurse haben bereits begonnen.

Vorbereitungskurs für ausländische Ärztinnen und Ärzte

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letzte Änderung am 04.03.2015