Dr. Ulrich Clever

Interview mit Kammerpräsident Dr. Clever

Ärzte und Sterbehilfe

Der Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg, Dr. Ulrich Clever, hat Ende Januar in einem Interview mit den Stuttgarter Nachrichten eine gesetzliche Neuregelung der Sterbehilfe abgelehnt. Sowohl die ärztlichen Richtlinien zur Sterbebegleitung als auch das Strafgesetzbuch eröffneten Medizinern, die in einem langjährigen Vertrauensverhältnis zu ihren Patienten stehen, bereits heute ausreichende Handlungsspielräume.

"Die Beihilfe zum Suizid ist nicht die erste ärztliche Handlungsoption", sagte Dr. Clever, "aber Ärzte, die einen Patienten lange kennen, finden einen Weg." Er nannte Behandlungsabbruch und Schmerzlinderung. Aber im Einzelfall seien auch weitere Hilfen jenseits der palliativen Versorgung denkbar, so der Kammerchef.

Dr. Clever befürwortete hingegen ein Verbot der organisierten und geschäftsmäßigen Sterbehilfe, "weil das Sterben nicht normierbar ist." Es sei immer ein Einzelfall, und jeder Einzelfall müsse in seiner Besonderheit erfasst werden. Das gebiete die Würde des Menschen. "Den Menschen im Leiden und Sterben zu begleiten, ihm dabei zu helfen, den richtigen Weg zu finden, auch gemeinsam mit Angehörigen, ist eine urärztliche Aufgabe. Das kann nur gelingen, wenn es zwischen Patient und Arzt ein Vertrauensverhältnis gibt", betonte Dr. Clever.

Er fügte er hinzu, die Ärzte könnten dank der modernen Medizin das Leben um beträchtliche Jahre verlängern. Die Ärzteschaft habe aber vielleicht zu lange auf die technischen Möglichkeiten gesetzt: "Wir erkennen heute mehr und mehr, dass dem auch Grenzen gesetzt sind - und gesetzt sein müssen. Das ist ein Lernprozess, auch in Reaktion auf die Angst der Menschen, medizinischen Apparaten ausgeliefert zu sein. Die Selbstbestimmung des Menschen hat heute einen anderen Stellenwert, auch am Lebensende, und wird auch juristisch durchgesetzt. Das haben wir Ärzte zu respektieren."

Das komplette Interview ist im Wortlaut hier nachzulesen.

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letzte Änderung am 03.02.2015