Neue Zugänge zur Thematik Medizin im Nationalsozialismus

In Kooperation mit den Studentinnen Jennifer Barton, Carmen Fahlbusch, Cynthia Lechner und Laura Murgia hat die Bezirksärztekammer Nordwürttemberg das Projekt MinusPlus ins Leben gerufen. Ziel war es, neue Zugänge zur Thematik Medizin im Nationalsozialismus zu entwickeln.
 
Minus und Plus - zwei Zeichen, die in den Meldebögen der ärztlichen Gutachter im Dritten Reich über Leben und Tod von Menschen entschieden, die von der Gesellschaft als „lebensunwert“ eingestuft wurden. Die Frage, welche Faktoren die Menschen damals veranlassten, im Sinne einer Rassenideologie zu handeln beziehungsweise sich schlichtweg nicht zu widersetzen, bleibt. Inwiefern in der Medizin heute Parallelen zur Vergangenheit bestehen, sei dahingestellt. Doch was Ärztinnen und Ärzten damals wie heute abverlangt wird, sind Entscheidungen, die das Leben ihrer Patientinnen und Patienten maßgeblich beeinflussen. Dieser Zustand wirft die Frage auf: Welchen medizinethischen oder moralischen Kontroversen stehen Ärztinnen und Ärzte heute gegenüber?
 
Auf Basis dieser Fragen konzipierten und realisierten vier Studentinnen der Kultur- und Medienbildung das Projekt MinusPlus. Da der Bachelorstudiengang der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg mit den Vertiefungsbereichen Theater & Literatur, Kunst, Musik sowie Film & digitale Medien verschiedene Felder der kulturellen Praxis abdeckt, konnte eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema initiiert werden.

Ausgangspunkt für die Projektdurchführung war eine quantitative Onlineumfrage mit 779 Teilnehmern, die im September 2015 durchgeführt und im Zuge derer die medizinethische Einstellung von Ärztinnen und Ärzten im Kontext des Nationalsozialismus erhoben wurde. Zwischen all den aufschlussreichen Erkenntnissen fielen einige Resultate besonders ins Auge: Obwohl das Thema Medizin im Nationalsozialismus in der Literatur weitgehend gut aufgearbeitet ist, gibt fast ein Fünftel der befragten Ärztinnen und Ärzte an, sich noch nie mit dieser Thematik befasst zu haben. Nahezu ein Drittel der Befragten stuft den eigenen Wissensstand hierzu als schlecht ein. Rund die Hälfte wäre gerne besser darüber informiert. Fünfzig Prozent der Befragten glauben ebenfalls, sich in ihrer Einstellung zu aktuellen medizinethischen Problemen von ihrem Wissen über die NS-Vergangenheit beeinflussen zu lassen (siehe Grafik).

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An den aus der Befragung gewonnenen Erkenntnissen knüpfte die weitere Projektarbeit von MinusPlus an. Ziel war es, durch die Betrachtung historischer Ereignisse Aufmerksamkeit für schwierige Entscheidungssituationen in der eigenen Gegenwart zu schaffen. An mehreren Themenabenden konnten sich Medizinerinnen und Mediziner mit kontroversen Charakteren aus der Geschichte auseinandersetzen. Die eigenen Einstellungen und Haltungen zur NS-Medizin tauschten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Gruppendiskussionen aus und erörterten deren Bedeutung im heutigen medizinethischen Diskurs.  Aus dieser Reflexion des Berufsethos und der ärztlichen Rolle im Verlauf der Geschichte entstand eine audiovisuelle Collage, die auf der MEDIZIN Fachmesse Stuttgart 2016 vom 29.01. bis 31.01. präsentiert wurde. Auf der Messe unmittelbar erfahrbar war auch das Ergebnis des zweiten Teilprojektes von MinusPlus: Anhand der Umfrageergebnisse und den Erfahrungen aus dem Ärztealltag entstanden Theaterszenen, die aktuelle Problemfelder im geschichtlichen Kontext beleuchteten. Das dritte Teilprojekt bediente sich dem Praxisfeld der Bildenden Kunst. Im Zuge einer graphischen Auseinandersetzung wurden Plakate von Kunststudierenden der Pädagogischen Hochschule gestaltet und auf der Messe ausgestellt.
 
Im Folgenden können Sie sich einige der Ergebnisse des Projektes ansehen. Sie sollen als Impulse für eine weitere Beschäftigung mit der Thematik dienen.

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letzte Änderung am 03.02.2017

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Auf 24 Seiten informiert die Broschüre über ausgewählte Ereignisse und Aktivitäten im Zeitraum 2016 bis 2017.

Die siebte Vertreterversammlung der Landesärztekammer Baden-Württemberg findet statt am 25.11.2017 um 9.30 Uhr in der KVBW. 

Weitere Informationen für Delegierte

Wichtige Informationen für Ärztinnen und Ärzte, die sich in der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen engagieren wollen.

Für unser Team suchen wir weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Hier finden Sie aktuelle Stellenangebote der Landesärztekammer Baden-Württemberg und der vier Bezirksärztekammern.

Für suchtkranke Ärztinnen und Ärzte: Interventionsprogramm

Die Verkehrsmedizin widmet sich Erkrankungen und Behinderungen, die zu einer Beeinträchtigung der Fahrtauglichkeit führen. Auch Medikamente und Drogen können die Verkehrstauglichkeit mindern.

Hier finden Sie verkehrsmedizinisch qualifizierte Ärztinnen und Ärzte.

Neu: "Empfehlungen zur ärztlichen Fortbildung" vom 24.April 2015 in 4. überarbeiteter Auflage in Kraft getreten. Weitere Infos