Sicherstellung der Versorgung von sehr kleinen Frühgeborenen im "Kinderland" Baden-Württemberg (26.11.2016)

Die Landesärztekammer Baden-Württemberg fordert die Landesregierung auf, sich zeitnah für die Sicherstellung der Versorgung sehr kleiner Frühgeborener vor dem Hintergrund der nicht umsetzbaren Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zum Pflegeschlüssel (jederzeitige 1:1, bzw.1:2 Betreuung) einzusetzen, insbesondere vor dem Hintergrund der ausgezeichneten Versorgungsqualität in Baden-Württemberg.

Begründung:

Ab 1.1.2017 gibt der G-BA ohne Ausnahme vor, dass Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht von <1.500g „jederzeit“ mit einem genau definierten Pflegeschlüssel von 1:1 oder 1:2 betreut werden müssen (Qualitätssicherungs-Richtlinie Früh- und Reifgeborene (QFR-RL) in seiner letzten Fassung vom 27.11.2015, BAnz AT 03.02.2016 B2). Das aktuelle Gutachten des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (2. Perinatalbefragung zur pflegerischen Strukturqualität, 09-2016, abrufbar unter http://www.dki.de/) bestätigt, dass diese Vorgabe nur 7% aller Perinatalzentren in Deutschland erfüllen können. Deshalb haben pädiatrische Fachgesellschaften und Berufsverbände bereits darauf hingewiesen, dass diese Vorgaben vor dem Hintergrund fehlender Verfügbarkeit qualifizierter Pflegekräfte nicht umsetzbar sind. So besteht selbst bei Einrichtung eines Rufdienstes keine Möglichkeit, mehrere sehr unreife Frühgeborene (z.B. Zwillinge) mit einer den Vorgaben entsprechenden Zahl von Pflegekräften (pro Kind und Schicht je eine) zusätzlich zur normalen Stationsbelegung zu betreuen. Es darf nicht dazu kommen, dass mangels Verfügbarkeit Pflegekräfte aus anderen Fachgebieten der Pädiatrie abgezogen werden, um den Pflegeschlüssel auf der neonatologischen Intensivstation zu erfüllen. Wir brauchen eine bestmögliche pflegerische Versorgung nicht nur für die Frühgeborenen unter 1500g in unseren Kliniken.

Durch die Vorgaben des G-BA besteht Rechtsunsicherheit, wie sich Ärzte und Pflegekräfte in einem Perinatalzentrum bei Nichterfüllbarkeit, aber klinischer Behandlungsindikation verhalten sollen. Die Konsequenz könnte die Schließung von Betten bzw. die Abgabe des Versorgungsauftrags sein. Die unmittelbare Folge wäre ein Zusammenbruch der flächendeckenden neonatologischen Versorgung, dies ist jedoch ureigene Aufgabe der Landesregierung. Die Landesregierung und das zuständige Ministerium für Soziales, Gesundheit und Familie werden deshalb aufgefordert, die bestehenden qualitativ guten Strukturen in der Frühgeborenenversorgung in Baden-Württemberg zu erhalten und dem massiven Eingriff in die Krankenhausplanung durch den G-BA entgegen zu wirken.

letzte Änderung am 30.11.2016

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