Mehrheit der Klinikärzte ist unzufrieden / Kammer plant differenzierte Erhebung
Die Mehrheit der Klinikärzte ist unzufrieden mit der ärztlichen Weiterbildung und bemängelt - wie Umfragen aus anderen Bundesländern belegen - vor allem die fehlende zeitliche und inhaltliche Strukturierung.
"Hier muss dringend etwas geschehen. Die Zahlen über den drohenden Ärztemangel sprechen für
sich", so Baden-Württembergs Ärztepräsidentin Dr. Ulrike Wahl bei der Vertreterversammlung am 21. Juni 2008 in Stuttgart. Die Landesärztekammer plant daher, die Nöte und Wünsche der Kollegen differenziert zu erheben, um Ansatzpunkte zur Verbesserung der Situation benennen und entwickeln zu können.
"Es ist eine Kernaufgabe der Ärztekammern, die Weiterbildung der Fachärztinnen und Fachärzte von morgen langfristig
sicherzustellen", so Dr. Wahl. Durch die Befragung zur Qualität der Weiterbildung sollen Stärken, Schwächen und Verbesserungspotenziale aufgezeigt werden, um gemeinsam mit allen Beteiligten gegebenenfalls gezielte Maßnahmen einleiten zu können. Mängel, die die Ärzteschaft nicht zu vertreten habe, sollten nach den Worten der Präsidentin zudem deutlicher benannt und thematisiert werden können. Denn eines sei sicher:
"Ein hochwertiges Weiterbildungsangebot fördert die berufliche Zufriedenheit der Mitarbeiter und stellt zugleich einen Wettbewerbsvorteil für Klinik und Praxis
dar".
Voraussichtlich gegen Jahresende werden - wie Dr. Wahl weiter berichtet - die Weiterbildungsbefugten sowohl im stationären wie im niedergelassenen Bereich angeschrieben und über die Einzelheiten der Evaluation informiert. Danach erhalten sowohl die Weiterbildungsassistenten als auch die Weiterbildungsbefugten einen Fragebogen. Im Assistentenbogen werden folgende Themenbereiche erfragt: Vermittlung von Fachkompetenz, Fehlerkultur, Lernkultur, Anwendung von Evidence-based-medicine, Entscheidungskultur, Betriebskultur, Führungskultur und eine Globalbeurteilung der Situation.
Der Fragebogen für Weiterbildungsbefugte beinhaltet Fragen zu den Themen Wochenarbeitszeit und deren prozentuale Aufteilung auf verschiedene Tätigkeiten, Arbeitszeitgesetz und Vereinbarung mit der Weiterbildung, Weiterbildungskonzept, notwendige Rotationen, Einschätzung der Motivation
der Mitarbeiter sowie das Fort- und Weiterbildungsbudget.
Versand und Rücklauf der Fragebögen erfolgt per Online-Verfahren, die Auswertung wird zentral über die technische Hochschule Zürich
- die ETH - erfolgen. Noch sind nicht alle Verfahrensfragen abschließend geklärt. Über den weiteren Fortgang des Projektes wird auf der Homepage und im Ärzteblatt Baden-Württemberg informiert. Für die Befragung, die nach einem einheitlichen Konzept in nahezu allen Bundesländern durchgeführt wird, habe der Vorstand der Landesärztekammer Baden Württemberg bereits entsprechende Mittel im Haushalt bereitgestellt.
Stand: 21.06.2008
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